Atempause im Advent (November 2006)
Bild von Pablo Sanguano Sanchez “Verkündigung”


„Gottes Frauen“ Adventliche Meditation – Mettingen 2006

Maria

Liebe Mitchristen,

ich begrüße Sie alle recht herzlich zu unserer diesjährigen adventlichen Meditation. Advent ist noch nicht Weihnachten, wenn auch das kommende Fest schon durchleuchtet. Advent ist die Vorfreude, die Erwartung, die Sehnsucht, die Ahnung von diesem Fest. In diesem Sinne wollen wir diesen Mittag gestalten. Durch Musikstücke der Gruppe Les Menestrels wollen wir uns dem Geheimnis der Menschwerdung Gottes nähern und ein wenig loskommen von dem Rummel, den Konsumzwängen und der Sentimentalität aus der Konserve, die in diesen Tagen allenthalben so üblich ist. Atemholen eben! Atem holen der Seele! Wir können so neu gewiss werden, dass es die Absicht Gottes ist, die Welt in seine Nähe zu ziehen, hineinzuleuchten in die arme Erde und ihre Leere zu füllen.
Dazu werden wir ein Bild von Pablo Sanaguano Sanchez aus Ekuador mit dem Titel „Verkündigung“ aus der Reihe der Ausstellung „Gottes Frauen“ betrachten, über das wir uns herantasten an den Glauben der Christen, der sagt: Da mit Maria hat es begonnen, da ist Gott selbst herausgetreten und zu uns gekommen. Da ist auch er angefangen, wo wir angefangen sind als Mensch, als Kind in den Armen einer Frau und hat unsere Nacht aufgesucht, die Nacht des Unheimlichen und Finsteren, des Wesenlosen, Unsichtbaren und Gefahrvollen, des Unübersichtlichen, der Sünde und des Todes. 


Musik: Durch die Frau kam das Übel – durch die Frau kam das Gute ( Ambrosius 397) 22
“Ad Laudes Marie cantemus hodie” ( Gregorianicher Conductus 12. Jhd.) 23

Bildbetrachtung:

Meditationstext.

Maria
Stehend, inmitten der Früchte des Landes, die sie umschließen, den Früchtekorb neben sich- inmitten der Arbeit überrascht-, breitet sie die Hände aus. Zeichen des offenen Herzens! Im Alltag, verwurzelt in der Tradition ihres Volkes und der Landschaft Ekuadors und ihrer Flora und Fauna- die Vögel am unteren Bildrand- ist sie doch aufgeschlossen für etwas neues, etwas ganz anderes. Klaren Auges begegnet sie diesem ohne Furcht - In der violetten Farbe des Advent gehüllt, prägt diese Farbe des Dazwischen sie bis ins Fleisch. Noch ist es Nacht in der Welt, bald aber wird das Licht kommen.

Engel
Bote Gottes über groß, erfüllt er das Bild, das weiße Federkleidgewand und die Feuerflügel – fast wie ein Feuervogel - weisen ihn aus als Gottes ewiges Wort, das wie Feuer aus dem Busch – dem Dornbusch- brennt und nicht verbrennt.

An Gottes Ernsthaftigkeit gibt es nichts zu deuteln: „Du wirst empfangen und einen Sohn gebären, dem sollst Du den Namen Jesus geben.

Auge in Auge mit Maria, bilden Hände und Arme eine Linie zum Herzen Mariens, der Engel wird zur Brücke, über die Gott ihr Herz anrührt. So begabt er sie mit der Kraft, dem Geiste und der Nähe Gottes.

Die Nähe Gottes macht das Unmögliche möglich. „Der vom Vater und vom Sohne ausgeht“ wird im Leib eines Menschen „Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden.“

Das Geheimnis der Herablassung Gottes, seine Einwohnung, seine Inkarnation. Die Lichtfülle des Engels weht heran, wirft einen Abglanz auf die grüne Vegetation der Erde, ein Bild der Hoffnung, der Sehnsucht und des Werdens, das Dunkel zu erhellen.

Die Größe Gottes liegt von nun an im Kleinen, im Kind.

Seine Macht liegt in der Ohnmacht der Liebe und des Kreuzes. Das Rot des Engels – des Feuervogels – weißt darauf hin. Aber auch die Anordnung des Bildes von der rechten Hand des Engels über die Füße, über Arm und Gesicht Mariens bilden eine Herzform, Ausdruck der unüberbietbaren Liebe Gottes, die sich in diesem Geschehen offenbart.

Maria spricht ein wissendes Ja: „Fiat“, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie Du gesagt hast.“ Das Rot ihres Umhangs ist ein Zeichen der liebenden Bereitschaft, aber auch des Wissens um das Kreuz.

Hier einbiegen in die persönliche Weiterführung der Meditation:

Wie steht es mit meinem „Fiat“?
Bin ich bereit, mich auf die Botschaft einzulassen, dass Jesus der Christus ist, nämlich Gott selbst, der in diese Welt mit all ihrer Dunkelheit eintaucht, um sie zu erlösen.
Scheue ich zurück vor diesem radikalen Glauben, der sein Heil an einen Menschen hängt, der sich uns als Gott unter uns zumutet? Fall ich in die Knie vor diesem ungeheuerlichen Gedanken der Liebe?
Was ist aus meinem „Fiat“ in der Geschichte meines Lebens geworden, das ich einst sprach in Firmung, Ehe oder Priesterweihe?
Vertrau ich noch tief dem, dass die Größe Gottes im Kleinen liegt, oder drehe ich doch sicherheitshalber lieber selbst ein bisschen am Rad der Dinge. Bin ich sehr männlich in meinem Glauben, sehr auf Aktivität bedacht oder hat mein Glaube auch eine weibliche Seite, kam ich geschehen lassen, mich beschenken lassen, mich hinhalten, wie Maria. Glaube ich noch an die Heilskraft des Kreuzes oder interpoliere ich es aus meinem Leben.

Musik: “Santa Maria amar”, Alphonso el Sabio (1252-1284)

Sei zärtlich!

Im Bauch der Erde
ist ein Kind.

Sei ehrfürchtig!

Du hast das Gesicht
des Lebens noch nicht gesehen.

Sei bereit!

Aus dir
will Gott geboren werden.
Franz Voß

Die mittelalterliche Musik wählte Mirco Bäumer, Studierender im 4. Semester aus.