Johannes 8,12 (Dezember 2007)

 

Pastor Jörg Oberbeckmann trägt seinen Meditationstext zu Johannes 8,12 vor.


Meditation zu Johannes 8,12
von Jörg Oberbeckmann

Jesus sagt:
„Ich bin das Licht der Welt!
Wer mir nachfolgt,
wird nicht in der Finsternis wandeln, 
sondern wird das Licht des Lebens haben.“


Das eigene ICH
kommt nicht los von sich –
zu stark ist es
oder zu schwach,
sich zu lösen:
vom Bösen,
vom Dunkel des Unbewussten, 
vom Abgrund des Ungeheuerlichen,
von seiner Herkunft,
von seiner Sünde.

Das ICH des Menschen,
gefangen im Eigenen,
unzugänglich,
verschlossen.

Und es war finster 
auf der Tiefe –
tiefes Schweigen,
undurchdringliche Finsternis, 
Welt ohne ein Wort,
der Kosmos ohne Gott –
unvorstellbar. 

Da, horch, 
siehe da,
stell dir vor:
urplötzlich
aus dem Jenseits der Welt
wird das Schweigen gebrochen 
und es fällt und kommt
das lösende Wort. 
„Es werde Licht“.
Unwiderstehlich dieses Wort 
eines Anderen, des Heiligen und Höchsten:
Und es ward Licht.

Der erste Advent.
Unser Gott kommt und schweiget nicht.
Aus dem Jenseits aller Zeit, 
aus der Ewigkeit, 
kommt er zur Welt im Wort.
Das erste Wort von Ewigkeit zu Ewigkeit, 
dazwischen wahr für alle Zeiten:
Es werde – Licht und Leben. 

Mein Leben –
ins Wort getaucht,
von Gott gekommen, 
gewollt in Ewigkeit,
nichts Eigenes,
kein Besitz,
keine Selbstverständlichkeit, 
kein Zufall.
Vielmehr: 
ein Geschenk.
Reine Gnade.
Ein Wunder. 

Siehe, was geschieht,
wenn Du’s so sehen kannst:
Das eigen ICH,
in sich selbst gefangen und verschlossen,
kann sich nun lösen von sich, 
kann los kommen von sich,
kann kommen zu IHM, 
dem Ewigen, dem Wunderbaren:
sein eigen will ICH sein.

Advent:
eine erste Verwandlung
des mächtigen, doch so verlorenen Menschen, 
in seinem Stolz,
in seiner Stärke,
in seiner Schwäche:
„Ich lag in schweren Banden,
du kommst und machst mich los.
Ich stand in Spott und Schanden,
du kommst und machst mich groß.“ (11,4)


ICH, gelöst im DU,
Mein Leben 
– gehalten und gerettet in Gottes Leben. 
Ich ahne was.
Ich komme zu mir, 
wenn ich zu IHM komme,
wenn ER zu mir kommt, -
mein Gott, mein Heil, mein Leben.
„Komm o mein Heiland Jesu Christ,
meins Herzens Tür dir offen ist.“

DU bist mein Licht und mein Heil,
DU sagst: Ich bin der Herr, dein Gott.
DU kommst im Sohn, meinem Heiland,
„ein Heiland aller Welt zugleich, 
der Heil und Leben mit sich bringt.“
Herrlich singender, 
wohl klingender, 
alles erleuchtender 
Advent.

Eine Vereinigung. 
Jesus ist kommen Grund ewiger Freuden, 
Schöpfer, wie kommst du uns Menschen so nah.
Advent – Zeit der Freude, 
der Vorfreude, 
Zeit eines glücklichen Verlustes:
Verlust des eigenen Lebens, 
- ich bin nicht mehr mein eigener Herr –
Verlust der Selbstherrlichkeit
an den anderen, den besseren, den gnädigeren Herrn, - an den Herrn, meinen Gott. 
Was für ein Gewinn im Verlust.
Die Erlösung.

Advent –
Aufklärung eines dunklen Daseins,
Auflösung der Rätsel des Menschen:
„Licht, das in die Welt gekommen, 
Sonne voller Glanz und Pracht,
Morgenstern, aus Gott entglommen,
treib hinweg die alte Nacht.“ (552,1)

Darum wohl zu der halben Nacht, 
zur Mitternacht, 
in der Wende:
noch Nacht, 
aber nicht mehr für immer Nacht, 
Hab acht:
der Stern über Bethlehem,
die Klarheit des Herrn,
über weitem Feld:

das Wort ward Fleisch,
zu Bethlehem geboren,
draußen, immer wieder draußen
vor den Toren der Stadt, 
im Stall, in der Krippe,
gekreuzigt dann in Jerusalem, 
nicht ganz: vor den Toren der Stadt,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
vor den Toren der Stadt –
immer wieder Hinweis 
auf das Jenseits der Welt. 

Vor daher noch einmal das Wort:
Ich bin das Licht der Welt.
Der zweite Advent.
Das Grab ist leer,.
Auferstehung der Toten.
Das ewige Leben.
Christi Himmelfahrt.

„Wer mir nachfolgt“, 
sagt der gen Himmel gefahrene, 
aus der Ewigkeit heraus in alle Zeit,
zu allen Menschen aller Zieten:
„Wer mir nachfolgt,
wird nicht in der Finsternis wandeln,
sondern wird das Licht des Lebens haben.“

Advent – zur Erinnerung:
Das Leben kommt.
Gott, der Herr kommt.
Die Welt wird verwandelt.
Mein Leben auch.
Ich komme los von mir,
komme los von Sünde und Tod,
komme los vom Eigenen, vom Bösen, vom Dunklen.

Ich überschreite mich, 
überwinde mich, 
bin überwältigt, 
gehe weiter, 
wage den Schritt, 
sage, was unmöglich ist
Ich glaube.

Alles tut sich auf vor mir, 
der Himmel, die Weite, 
ich komme 
aus der Finsternis ins Licht,
aus der Welt zum Herrn der Welt. 

Ich verlasse und verliere das Vordergründige, 
gewinne den Hintergrund und die Grundlage –
mein Gott, der Glaube –
wie neu geboren,
wieder geboren, 
ein anderes Leben, 
ins Licht getaucht.

Ich folge IHM,
endlich:
Mensch, geh Gott nach,
der ist dir voraus in allem, 
sagt freundlich und von Herzen:
Komm. Mensch, komm.
Das ist das Geheimnis deines Lebens:
Nachfolge.
Hörst du, Mensch,
ob Mann oder Frau, Kind oder Greis,
Lebender, 
vergiß die Toten nicht im Advent:

„Ich bin das Licht der Welt“ sagt der andere,
das fremde ICH über DIR,
im Hintergrund deines Lebens
und deines Todes.
„Ich bin das Licht der Welt“, 
sagt der Auferstandene:
Kommt mit!
Folge mir nach, 
in den Advent, ins Licht, ins Leben.
Verstehst du, was du hörst?
„Wer mir nachfolgt, 
wird nicht in der Finsternis wandeln,
sondern wird das Licht des Lebens haben.“
Vor Johannes steht Jesaja, 
den hören wir auch gern – ihn ansagen:
„Das Volk, das im Finstern wandelt, 
sieht ein großes Licht,
und über denen, die da wohnen im finsteren Lande, scheint es hell. 
Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude.
Wir feiern Advent.
Die Tage werden kürzer.
Die Nacht wird heller.
Der HERR kommt näher.
Ich bin dankbar und froh, - heilfroh.

(Foto: Hupsy)