UNESCO-Projekttag - Wir alle müssen handeln (April 2010)
Bedrohte Welt


Comenius-Kolleg am Projekttag mit 8000 Schulen weltweit dabei
Aufruf und Selbstverpflichtung zum Handeln
„Unser Handeln – Unsere Zukunft“, so lautet das Motto des diesjährigen UNESCO-Projekttages, der alle zwei Jahre von weltweit 8000 UNESCO-Projektschulen gestaltet wird. In Deutschland sind es 192 Schulen. Im nördlichen Teil von NRW und im Süden Niedersachsens hatten sich das Comenius-Kolleg Mettingen, das Graf-Adolf-Gymnasium Tecklenburg, das Schillergymnasium Münster und die Gesamtschule Schinkel in Osnabrück zu einer gemeinsamen Aktion zusammengeschlossen.
„Noch eine Chance“ heißt das Theaterstück, das von den vier UNESCO-Projektschulen entwickelt und an allen vier Schulen aufgeführt wurde. Hat unsere Erde zukünftig noch eine Chance? Oder schafft die Menschheit es, die Erde zu zerstören? Es wird gezeigt, wie die Erde unter der Umweltkatastrophe leidet. Einblendungen zeigen Ausschnitte aus Afrika, Asien und Lateinamerika. In der Einblendung zu Brasilien stellten Studierende des Studienkollegs Mettingen das triste Schicksal von Landarbeiterinnen dar, die auf Plantagen tätig sind, die Früchte für den Export z.B. nach Deutschland produzieren. Sie leiden unter dem Einsatz von Agrargiften und erhalten Hungerlöhne, die für sie und ihre Familien nicht ausreichen. In den hiesigen Supermärkten gibt es dann aber das ganze Jahr über Obst zu niedrigsten Preisen.
Die Theatergruppe der vier Schulen, die am Montag in Mettingen und Münster auftrat und am Dienstag in den beiden anderen Schulen, regte engagiert zum Nachdenken an und erhielt sehr viel Beifall.


12727096541 Studierende des Studienkollegs aus verschiedenen Ländern...


Das Theater wurde am Comenius-Kolleg eingerahmt von Arbeitsgruppen, in denen sich die Studierenden mit unterschiedlichen Aspekten unserer Zukunft auseinander setzten. So fragte sich eine Gruppe, wie die zunehmende Digitalisierung unsere Arbeitswelt verändert? Welche gesellschaftlichen und individuellen Folgen ergeben sich?
Eine andere Gruppe untersuchte die Stadtentwicklung am Beispiel des Rosenplatzes in Osnabrück. Welche Missstände gibt es in diesem Sozialraum und wie können diese behoben werden? Über den eigenen Tellerrand schaute die Gruppe, die sich mit den weltweiten Armutsflüchtlingen befasste. Wohin führt die weltweite soziale Ungerechtigkeit?
Weltweite Ungleichheit wurde bereits durch die sich in der Geschichte herausgebildeten Welthandelsstrukturen produziert. Daher fragte sich eine weitere Arbeitsgruppe, ob durch fairen Handel ein menschenwürdiges Leben geschaffen werden kann? Armut, aber auch hohe Kreativität verdeutlichte das Beispiel von Spielzeug, das Jugendliche in Brasilien z.B. aus Blechresten selber hergestellt haben. Studierende des Kollegs bauten es nach.
Am Kolleg begegnen sich tagtäglich Lateinamerikaner und Deutsche. Welche Bilder haben sie voneinander? Gibt es Vorurteile und Klischees und sind diese zu überwinden? Zum konkreten Handeln rief die Forderung nach einem VegiDay (vegetarischem Tag) auf. Durch die Einschränkung des Fleischkonsums sollen die Treibhausgase und der Hunger der Welt reduziert werden? Die Vergangenheit der Erde schließlich lässt sich durch die Untersuchung der Gesteine ermitteln. Deshalb ließ Pater Donatus die Steine sprechen.


12727096562 ... weisen auf die schlimme Situation von Landarbeiterinnen hin, die für den Export, auch nach Deutschland, schuften.


Ein breit gefächertes Programm, das am Gedenktag des Reaktorunglücks von Tschernobyl ablief, wies am weltweiten UNESCO-Projekttag, der aus diesem Grunde alle zwei Jahre genau an diesem Datum stattfindet, auf die Bedrohung der Welt aber eben auch auf die Chancen sie zu retten hin. Gerborg Meister, Eine-Welt-Koordinatorin des Comenius-Kollegs und dortige UNESCO-Projektschul-Beauftragte, unterstrich die Notwendigkeit solcher internationaler Aktivitäten und zeigte sich besonders zufrieden mit der Zusammenarbeit der genannten vier Schulen. „Das ist ein sehr gutes Ergebnis für eine gelungene Zusammenarbeit und Lernerfolg im Kleinen als Abbild des Großen.“
Fotos: Gerborg Meister, Text: Hupsy