Menschenrecht auf Wohnen - Vom Leben im Käfig (März 2011)


13004487530 Aufmerksame Studierende in der Ausstellung.


Daheim auf 2m² – Vom Leben im Käfig
Daheim auf 2m² – Vom Leben im Käfig ist eine Wanderausstellung von Misereor, die vom 28.2.2011 bis zum 15.3.2011 bei uns im Comenius-Kolleg Mettingen zu sehen war. Diese soll die prekären Lebensumstände der Käfigmenschen in Hongkong darstellen. Cage People, auch Käfigmenschen genannt, leben in Hongkong tatsächlich in Käfigen auf 2m².
Es begann in den 1940er Jahren als Chinesen auf der Flucht vom 2. Weltkrieg nach Hongkong kamen. Hongkong war damals eine britische Kronkolonie und damit ein sicherer Ort für die Flüchtlinge vor den Japanern. Aufgrund des wenigen Wohnraums stellten die profitgierigen Vermieter Käfige in ihren Wohnungen und auf ihren Dächern auf. Die Flüchtlinge waren billige Arbeitskräfte in der boomenden Textilindustrie Hongkongs. Mit dem Untergang der Textilindustrie waren viele Arbeiterinnen und Arbeiter ohne Arbeit und konnten sich normale Wohnungen nicht leisten und zogen in die Käfigheime, damit begann das menschenunwürdige Wohnen in Hongkong.
Bis heute hat sich nicht viel verändert, denn immer noch gibt es Käfigheime, in denen ca. 100.000 Menschen leben, davon sind 20.000 Kinder. Es gibt heute nur noch 100 Käfighäuser, es waren mal über 300 Käfighäuser. In jedem Käfighaus leben ca. 750 bis 1200 Menschen in Käfigen. Ein Käfig kostet pro Monat 150 $ Miete. In einer Wohnung befinden sich 11 Käfige, sodass sich mindestens 11 Menschen sich eine Toilette, ein Waschbecken und eine provisorische Küche teilen müssen. Eine durchschnittliche Wohnung kostet 1.500 $, was sich nicht alle Einwohner Hongkongs leisten können. Hinzu kommt, dass Hongkong die Stadt mit den höchsten Lebenshaltungskosten ist.
Die Menschen in den Käfigen haben nur Kontakt untereinander und keinen bzw. kaum Kontakt mit Menschen, die nicht in Käfigen leben. Von dieser sozialen Ausgrenzung sind besonders Alte und Kinder betroffen. Ein weiteres Problem ist die Altersarmut. Erst kürzlich wurde ein neues Renten-system eingeführt, doch in dieses haben die Alten kaum eingezahlt und bekommen nur eine sehr niedrige Rente. Alle Häuser, wo Käfige untergebracht sind, befinden sich in Slumgebieten und sind mehr als baufällig. Kein Europäer würde freiwillig in solchen Wohnungen leben, denn die Wohnungen sind unhygienisch, schlechte Gerüche (Schweiß, Essensduft, menschliche Absonderungen, Zigarettenqualm, Gas von den Gasbrennern) breiten sich aus, die Wohnungen haben kaum Tageslicht und fast alle Gebäude sind mit Schimmel verseucht, die jeden Menschen krank machen.
Alternativen für die Käfigmenschen sind Sozialwohnungen, die aber sehr klein sind. Von diesen Wohnungen gibt es in Hongkong zu wenige, da die Stadt eine falsche Wohnungsbaupolitik betrieben hat. Dadurch sind die Wartelisten endlos lang, zum Teil warten die Käfigmenschen zwischen zwei und fünf Jahre auf eine dieser Sozialwohnungen.
Diese Missstände versucht die SoCO ( Society for Community Organization) zu beseitigen. Sie hilft den Menschen, die in den Käfig leben auf drei verschiedenen Ebenen. Die erste Ebene ist die psychosoziale Betreuung der Menschen, aber auch Rechtsberatung und Menschenrechtsarbeit. Mit den Demonstrationen für die betroffenen Menschen, versucht die SoCO der Gesellschaft die Augen zu öffnen, dies ist die zweite Ebene der SoCO. Die dritte Ebene ist die Lobbyarbeit bei den Stadt- und Landesverwaltungen für mehr Rechte der Käfigmenschen und den baldigen Verbot von Käfigen. Diese Lobbyarbeit führte bereits zu Gesetzen gegen Käfigheime und Verbesserungen der Lebensqualität. 
Die SoCO setzt sich für die Einhaltung der Menschenrechte der UN ein. China ist Mitglied der UN. Eins dieser Rechte ist das Recht auf Wohnen. Misereor als Herausgeber der Ausstellung unterstützt SoCO , damit die Organisation sich für die Rechte und Probleme der Menschen in Hongkong einsetzen kann. Solange die Verwaltung der Stadt Hongkong keine neue Wohnungsbaupolitik beginnt, solange bleibt das Recht auf „Wohnen“ inhaltsleer für die Käfigmenschen.
Text: Michel Feldmann, Christian Glindmeier, Manuel Reese: Fotos: Gerborg Meister