Gedenken an Matthias Beyer (September 2011)
Eine Kerze brennt im Foyer


Gewaltsam aus unserer Mitte gerissen

Gedenkfeier für unseren Studierenden Matthias Beyer

Matthias Beyer – er fehlt uns!

Und es ist nicht zu begreifen! Sein sinnloser Tod!

Ermordet – in Osnabrück, der Stadt des Friedens.
Vor einer Kirche – dem Ort der Liebe und Versöhnung.

Wir kommen heute hier zusammen 
mit unseren Fragen,
mit leeren Händen,
mit Ängsten 
und mit unserem Leid.
Hilflos stehen wir dem Sterben unseres Mitschülers Matthias Beyer gegenüber.
Und wir können es nicht begreifen, seinen sinnlosen Tod!

Matthias, Matze 
Zu seinem Tod gibt es unzählige Posts bei Facebook.
Darin zeigt sich für mich der Wert eines sozialen Netzwerks.
Es ist ein Ort, an dem Menschen ihre persönliche Betroffenheit mit Texten, Bildern und Musik mitteilen.
Ein guter Ort.

Aber auch unser Kolleg sollte solch ein guter Ort sein für Trauer und Gedenken.



Matthias, Matze, wie seine Mitstudierenden und Freunde ihn sehen:
ein Mensch mit Herz
mit offenen Ohren für die Sorgen der anderen
der einen zum Lachen brachte, wenn es einem schlecht ging
der keine Langeweile kannte
der gerne feierte 
der mit seinen Sprüchen den Unterricht aufgepeppt hat
der ein guter Junge war
ein toller, freundlicher Mensch
ein verdammt Lieber und Witziger

Matthias, Matze in meiner Wahrnehmung:
verschmitzt, immer ein Grinsen, Lächeln, Lachen im Gesicht
selbst, als er an Krücken humpelte
dabei unglaublich gutmütig
hilfsbereit
und immer für einen Spruch gut.

Neben seinem Namen und Bild liegt ein Apfel.
Der Apfel ist meine Assoziation, wenn ich an Matze denke.
Matthias ist für mich wie ein freundlicher, rotbackiger, glänzender Apfel, so voller Kraft und Lebensfülle.

13167738411 Matthias, Matze


Auf den Fotos, die ich von Matthias gesehen habe, strahlt oder lacht er immer.
Und so werden wir ihn in Erinnerung behalten – lachend.
Und dieses Lachen zeigt mir, dass er sich in unserer Mitte sehr wohl gefühlt hat.
Und wenn es keinen Trost gibt, so sollte uns wenigstens das trösten, dass er sich wohlgefühlt hat – an diesem Ort, in unserer Mitte.

Gedicht einer Mitstudierenden:

Lieber Matze,

du hast solch ein ungerechtes Leid ertragen
und wir schauen schockiert auf diese quälenden Taten.

Wir werden Dich als Freund und Mitschüler sehr vermissen,
viel zu früh wurdest Du aus dem Leben gerissen.

Mit Deiner authentischen, netten Art
hast Du viele Freunde gehabt.

Wir sind dankbar, dass wir Dich kennen gelernt haben.


In dieser Stunde der Verzweifelung wenden wir uns an dich Gott;
wir bitten dich,
nichts von diesem Menschenleben möge verloren gehen,
was er gelebt und getan hat, komme der Welt zugute;
damit alles, was ihm heilig war, geehrt werde von den Menschen,
die nach ihm kommen,
und dass er in allem, worin er groß war,
auch weiter spreche, gerade jetzt,
da der gestorben ist.

Lasst uns beten für alle, die leben müssen mit einem leeren Platz an ihrer Seite, 
dass sie den Verlust nicht im Geschwätz vertuschen und flüchten,
dass sie aber auch nicht versenken in ihn,
so dass er sie betört und einsam macht.
Gebe uns und allen Menschen die Mathias Beyer nahe waren, den Mut und die Kraft von neuem zu wagen, sich dem Leben anzuvertrauen. 

Gott wir bitten dich auch, 
hilf uns, dass trotz aller Wut und Trauer 
nicht Gedanken der Rache und Vorurteile uns beherrschen,
sondern gibt uns den Mut Frieden zu stiften wo Unfriede herrscht;
im Kleinen und im Großen.

Gemeinsames Gebet im Kreis: Vater Unser!

Texte: M. Adler, S. Böttcher, F.J. Röhr
Fotos: A. Hackmann, S. Böttcher