Gedenkfeier zum Tod von Matthias (September 2012)
Viele Studierende sind erschienen


Das Leben geht weiter –
- Nun schon ein ganzes Jahr - seit jenem 18. September 2011
und dass es weiter geht 
- ist völlig normal
- ist aber für viele von uns nur schwer zu begreifen
- denn wir merken, dass einer fehlt
- es fehlt einer aus unserer Schule
- Matthias – er fehlt uns!

Und auch nach einem Jahr ist es nicht zu begreifen! Sein sinnloser Tod!

Getötet von vier jungen Männern – genau heute vor einem Jahr - 
in Osnabrück, der Stadt des Friedens.


Warum nur? - 


Der wochenlange Gerichtsprozess brachte keine erschöpfende Antwort - allenfalls eine Erklärung der Umstände. Beruhigt haben die nicht wirklich.

Die Urteile sind gesprochen, sie waren rechtens - aber Gerechtigkeit konnten (und wollten) sie nicht herstellen.

Aber dennoch: 
Zwei Anmerkungen in der Urteilsverkündung sind bedenkenswert: 
Gerichtet an die Eltern und Schwestern von Matthias, sagte der Vorsitzende Richter, dass sie es in bewundernswerter Weise verstanden hätten, ihrem Sohn und Bruder eine Stimme zu geben. Sie waren seine Fürsprecher vor Gericht.
Und weiterhin gab er zu bedenken, dass dieses Urteil auch dabei helfen kann, einen Schlusspunkt zu setzen in der unendlichen Trauer – und Hilfe bietet für einen Neuanfang – nicht um zu vergessen, wohl aber um Sprachlosigkeit und Mutlosigkeit zu überwinden. 


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Die Eltern von Matthias haben der Schule folgende Zeilen geschrieben:
„Wir möchten uns bei den Lehrern und Studierenden bedanken für die Unterstützung während der Gerichtsverhandlungen. Denn ohne Ihren Beistand und Solidarität, die sie während des gesamten Prozesses gezeigt haben, wären die Stunden im Gerichtssaal noch unerträglicher gewesen.“ 
Weiterhin schreiben die Eltern von Matthias: „ Wir haben nicht gerechnet mit den vielen Aktionen, an denen vor allem das Comenius-Kolleg beteiligt war, z.B. die Lichterkette und der Schweigemarsch gegen Gewalt. Dies kann uns Matthias nicht zurückbringen, aber wir haben die Hoffnung, dass ein Umdenken in der Gesellschaft eintritt, um solche Taten zukünftig zu verhindern.“

Darum sind auch wir hier heute zusammengekommen – wir wollen nicht sprachlos und handlungsunfähig bleiben angesichts des Todes; das wäre ganz gewiss nicht im Sinne von Matthias.

Susanne Böttcher, Franjo Röhr

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Wusstet ihr schon,
dass die Nähe eines Menschen
gesund machen,
krank machen,
tot und lebendig machen kann?

Wusstet ihr schon,
dass die Nähe eines Menschen
gut machen,
böse machen,
traurig und froh machen kann?

Wusstet ihr schon,
dass das Wegbleiben eines Menschen
sterben lassen kann
dass das Kommen eines Menschen
wieder leben lässt?

Wusstet ihr schon, 
dass die Stimme eines Menschen
einen anderen Menschen 
wieder aufhorchen lässt,
der für alles taub war?

Wusstet ihr schon,
dass das Wort
oder das Tun eines Menschen
wieder sehend machen kann
einen,
der für alles blind war,
der nichts mehr sah,
der keinen Sinn mehr sah in dieser Welt und in seinem Leben?

Wusstet ihr schon,
dass das Zeithaben eines Menschen
mehr ist als Geld,
mehr als Medikamente,
unter Umständen mehr
als eine geniale Operation?

Wusstet ihr schon,
dass das Anhören eines Menschen
Wunder wirkt,
dass das Wohlwollen Zinsen trägt,
dass ein Vorschuss an Vertrauen
hundertfach auf uns zurückkommt?

Wusstet ihr schon,
dass Tun mehr ist als Reden?

Dass Tun mehr ist als Reden?

verändert in Anlehnung an das Gebet von Wilhelm Willms


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Gedanken einiger Studierende:

Mut, Hoffnung, Toleranz, Motivation

– all dies bestärkt uns für die Zukunft.

Wir wollen weitere Zeichen setzen, wir wollen verändern.
Wir als Gemeinschaft werden unser Kolleg zu einer gewaltfreien und toleranten Zone erklären. Dieser Ort soll jedem Hilfesuchenden in Gefahrensituationen Zuflucht gewähren.
Denn wir verstehen uns als Vorbilder für ein gewaltfreies Leben.
– dieser Verantwortung werden wir uns stellen!
Durch Aufklärungsarbeit und bewusste Auseinandersetzung mit dem Thema im Unterricht wollen wir sensibilisieren! Und das schaffen wir mit eurer Hilfe!
Denn - Wenn wir als Gemeinschaft im Kleinen anfangen, können wir Großes bewirken!!!

Sarah


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Der Abschied von Matthias ist an uns nicht spurlos vorbei gegangen.
Wir haben seit dem Tag, als er von uns gegangen ist, viele Veränderungen erfahren, die uns nicht perspektivlos, aber nachdenklich gemacht haben.
Auch wenn einige von uns Matthias nur eine kurze Zeit kannten, hat er in unserem Leben eine große Lücke hinterlassen.
Er ist einfach unvergesslich und hat uns sehr viele wunderschöne Momente geschenkt, wofür wir ihm sehr dankbar sind.
Wir werden Matthias mit seiner warmen, lustigen und sonnig durchfluteten Art immer im Herzen tragen.
Diese Energie möchten wir weiterhin dazu nutzen, um noch fester zusammenzuwachsen und aus dem Positiven zu schöpfen.
Beispielsweise hat uns die Anti-Gewalt-Demo und das Gewaltpräventivseminar sehr dabei geholfen, die ganzen Emotionen zu verarbeiten und im gleichen Zug etwas gegen solche Gewalthandlungen zu machen.
Viele Menschen die Matthias kannten, wollen ein Zeichen setzen. So spielt eine Mannschaft von Arminia Ibbenbüren seit dem Tag mit einem Trauerflor, um an Matthias zu denken. Am vergangenen Sonntag wurde bei dem Fußballspiel von Arminia Ibbenbüren mit einer Schweigeminute ein Zeichen der Trauer gesetzt.
Wir wollen nun stellvertretend für die vielen Gedanken, jeweils eine gelbe Rose hinlegen, die mit der gelben Farbe das Symbol der Freundschaft trägt.
Viel zu kurz war der Abschied, doch in der Freundschaft und im Herzen bleiben wir miteinander verbunden.

Melanie
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Wie Melanie bereits erwähnt hat, haben wir als Studierende auf den Vorfall ganz besonders reagiert. 

Wir konnten diese Art von brutaler Gewalt nicht mehr länger dulden und hatten uns kurzerhand dazu entschlossen durch unsere Anti-Gewalt-Demonstration gemeinsam ein Zeichen gegen Gewalt und für mehr Toleranz und Nächstenliebe zu setzen.

Dabei wollten wir nicht nur unsere Trauer zum Ausdruck bringen, sondern auch die Gesellschaft und die Politik dazu aufrufen, mehr für Bildung, Jugendarbeit und Chancengleichheit zu tun.

Wir konnten und wollten nicht länger wegsehen! Aufkommende Gewaltbereitschaft war auf ein Mal kein Problem mehr von Großstädten wie Berlin oder München! 
Wir wollten aktiv werden! Helfen! Und vor Allem, auf das Gesamtproblem von wachsender Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen aufmerksam machen!

Dabei ist es jedoch nicht geblieben! Die Auseinandersetzung mit dem Vorfall und dem Thema Gewalt zog sich weiter durch unser Leben am Kolleg. 

Weiterhin wurde viel in den Kursen darüber gesprochen wie z.B. im Soziologie-GK des damaligen 3. Semesters. Dieser besuchte deshalb ein Training für Gewaltprävention und „Zivilcourage“. 

Mario