Dank an Herrn Pompe von der Arbeitsagentur/Interview mit Herrn Pompe

10 Jahre Studien- und Berufsberatung am Comenius-Kolleg

16800 Studiengänge allein in Deutschland, ein immer noch nicht beendeter Reformprozess in Richtung Bachelor- und Master-Studiengänge, ziemlich undurchsichtige Bewerbungs- und Zulassungsmodalitäten – diese und andere Faktoren machen es Studienbewerbern heute schwer, das Richtige für sich zu finden.

 

Seit 10 Jahren organisiert deshalb das Comenius-Kolleg eine systematische Studien- und Berufsberatung. Seit Beginn – und schon vorher sporadisch – ist Otto Pompe, Berater für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit, dabei. Aus diesem Anlass bedankte sich Gunther Biesewig, Lehrer am Kolleg, für dessen Einsatz mit einem Buchpräsent. Besonders hob er hervor, dass er von den Studierenden immer eine positive Rückmeldung erhalten habe, weil sie bei Herrn Pompe das Gefühl hätten, dass er an ihrem persönlichen Weiterkommen interessiert ist.  Auch habe er einen großen Erfahrungsschatz und umfassende Kenntnisse zu allen Fragen des Studiums und könne so immer noch neue Wege aufzeigen.

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An diesem Tag war Herr Pompe wie in jedem Semester zu einer allgemeinen zweistündigen Informationsveranstaltung für das 3.Semester im Kolleg. In der Woche vorher hatten dieselben Studierenden die Zentrale Studienberatung Osnabrück (ZSB), die für Universität und (Fach)-Hochschule zuständig ist, besucht. Zunächst gab es eine auf den Vortrag von Herrn Pompe abgestimmte Information durch Frau Schulz, Studienberaterin der ZSB, an die sich wahlweise das interaktive „Bologna-Quiz“, eine Campus-Führung mit einer Osnabrücker Studentin, der Besuch der Infothek der ZSB und ein Mensaessen anschlossen. Ergänzt wird das Studienberatungsangebot  des Comenius-Kollegs durch die monatlich angebotene individuelle Beratung durch Herrn Pompe in den Räumen des Kollegs. Außerdem fährt das Studienkolleg in jedem Semester zu einer auf die besonderen Fragen der Studienkollegiaten abgestimmten Information zur Zentralen Studienberatung Osnabrück.

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Interview mit Otto Pompe, Berater für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit

(Die Fragen stellte Gunther Biesewig.)

 

Warum ist Studienberatung für Studierende mit dem Ziel Abitur und Fachhochschulreife so notwendig?

Eine gute Frage, die sich leicht beantworten lässt. Heute werden allein an deutschen Hochschulen mehr als 16.800 Studiengänge angeboten. Zudem steigt das Interesse an einem Auslandsstudium, wo es wiederum eine fast unüberschaubare Fülle an Studienprogrammen gibt. Da verliert so manch einer schnell den Überblick und benötigt Unterstützung bei der Suche nach dem passenden Studiengang. Hinzu kommt, dass kaum ein Abiturient oder eine Abiturientin so richtig einschätzen kann, ob sie oder er einem Studium gewachsen ist. Hier kann die Studienberatung der Arbeitsagentur erste Hilfestellungen anbieten. Oft kommen Fragen zu den Rahmenbedingungen: Zulassungsbeschränkungen gibt es derzeit für etwas mehr als 60% aller Studiengänge in Deutschland. Die Zulassungsregeln sind von Bundesland zu Bundesland recht unterschiedlich. Es ist oft nicht leicht, einen Überblick zu bekommen. Und dann gibt es noch viele Details bei der Studienfinanzierung zu beachten. Rechtzeitige Informationen und individuelle Beratung sind hier sicherlich hilfreich.

 

Sie beraten auch an Gymnasien in der Umgebung. Was ist anders bei Kollegiaten?

Die Studentinnen und Studenten des Kollegs unterscheiden sich besonders in einem Punkt von den Abiturienten "normaler" Gymnasien: Viele von ihnen haben bereits erste berufliche Erfahrungen gesammelt, oft auch schon eine Ausbildung absolviert. Sie haben schon einmal eine Berufsentscheidung getroffen. Daher wissen sie besser als andere, wie es tatsächlich im Berufsleben läuft. Zudem sind sie motivierter, da sie sich beruflich verändern möchten und dazu das Abitur oder die Fachhochschulreife benötigen. Die in den Beratungsgesprächen angesprochenen Studien- und Berufswünsche haben dabei oft schon "Hand und Fuß". Einige Kollegiaten haben Kinder und familiäre Bindungen, die ihre regionalen und finanziellen Möglichkeiten unter Umständen einschränken. Hier müssen Kompromisse zwischen den Studienwünschen und deren Realisierung gefunden werden. Letztendlich ist es das etwas höhere Alter und die damit verbundene Lebenserfahrung, die die Kollegiaten von anderen Abiturienten unterscheiden.

 

Welche Entwicklung an Unis ärgert sie besonders? Was erfreut sie?

Zunächst zu den erfreulichen Entwicklungen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten bei der Umstellung auf das neue Bachelor-Master-System in Europa haben sich mittlerweile viele Hochschulen damit abgefunden und sich entsprechend gut darauf eingestellt. Durch Internet und immer bessere Websites sind Studieninhalte für Studieninteressierte transparenter geworden.

Was mich ärgert, ist die hohe Zahl der Studienabbrüche, die in meinen Augen zwar nicht gänzlich vermieden werden können, aber durch vorherige Beratung sicherlich reduziert werden könnten. Die Abbruchquoten im Fach Mathematik liegen zwischen 60 und 80%, Maschinenbau an der RWTH Aachen brechen gleich in den ersten Semestern bis zu 50% wieder ab. Zur besseren Absicherung bietet die Arbeitsagentur spezielle psychologische Tests an, die relativ gute Aussagen zum Studienerfolg ermöglichen können.

Ein weiterer Punkt: Die Fülle an verschiedenen Studiengängen, die es dem Interessenten so schwer macht, die richtige Wahl zu treffen. Als ich vor 22 Jahren als Berater in der Arbeitsagentur Rheine anfing, zählte die Fachhochschule Münster am Standort Steinfurt gerade einmal fünf Studiengänge. Heute haben sich diese fünf in mehr als 30 verschiedene Studienrichtungen gesplittet. Das macht es natürlich nicht leichter, wenn man sich für einen davon entscheiden muss.

Und dann noch das leidige Thema Numerus Clausus: Nach wie vor ist es so, dass die Durchschnittsnote des Abiturs darüber mitentscheidet, ob man einen Studienplatz erhält oder nicht. Besonders ärgert mich das im Bereich Medizin. Hier berate ich manchmal Interessierte, die auf Grund ihrer Begabungen und ihres Werdeganges bestens dafür geeignet wären, aber nicht den 1er-Schnitt haben, der ihnen den Zugang zum Studium ermöglicht. Die Alternative wäre sechs Jahre zu warten, mindestens. Natürlich sind schulische Leistungen ein Auswahlkriterium, sollten aber nur eines von mehreren anderen sein. Was mich außerdem noch freut: Die verbesserte Mobilität innerhalb Europas. Heute ist es fast problemlos möglich irgendwo in Europa zu studieren. Die Abschlüsse werden europaweit anerkannt und BAföG gibt es aus Deutschland in ganz in Europa. Hier eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten, die es so vor ein paar Jahren nicht gab.

 

Warum sollte man die Allgemeine oder Fachhochschulreife machen?

Wer studieren möchte, muss normalerweise das Abitur mitbringen. Für die Universität die allgemeine Hochschulreife und für die Fachhochschule reicht die Fachhochschulreife aus. Auch viele Ausbildungen bzw. duale Studiengänge im öffentlichen Dienst setzen mindestens die Fachhochschulreife voraus. Seit Jahren kann man zum Beispiel bei der Polizei nur mit einer Ausbildung anfangen, wenn man das Abitur vorweisen kann. Dies hängt in meinen Augen mit der zunehmenden Komplexität von Tätigkeiten zusammen. In einer hochtechnisierten Berufswelt steigen die Anforderungen an diejenigen, die in ihr arbeiten.

Aber nicht nur diese formalen Bedingungen sind ausschlaggebend. Wer sich bildet, versteht eher die komplexen Zusammenhänge, die unser Leben beeinflussen. Daher halte ich geistes- und sozialwissenschaftliche Fächer für genauso wichtig wie mathematisch-naturwissenschaftliche, die in der Oberstufe angeboten werden. Sprachen sind wichtig für das Verständnis anderer Kulturen. Keiner kann sagen, welche Probleme in Zukunft auf uns zukommen. Studenten von heute müssen aber in Zukunft Probleme lösen, die wir heute noch nicht einmal als Problem kennen.

Ein weiterer Vorteil liegt in der Reduzierung des Risikos von Arbeitslosigkeit.

Wer sich nach dem Abitur für ein Studium entscheidet, reduziert sein Risiko ganz erheblich. Nur 4,6% aller Akademikerinnen und Akademiker sind momentan bei der Arbeitsagentur arbeitslos gemeldet. Eine wesentlich geringere Quote als bei denen, die keinen Abschluss haben.  Zudem sind die Verdienstchancen im Vergleich zu anderen Berufen durchschnittlich höher. Ein Studium lohnt sich folglich. Doch Geld ist nur ein Aspekt. Viel wichtiger ist die Zufriedenheit, mit der jemand seinen Beruf ausübt.

 

Welche Angebote macht die Agentur für Arbeit Beratung Suchenden?

Hier gibt es eine Menge Angebote. Meine Kolleginnen, Kollegen und ich bieten individuelle und kostenlose Beratungsgespräche in der Agentur für Arbeit in Ibbenbüren, Weberstr. 5 an. Für ein Gespräch planen wir eine Zeitstunde ein. Sollte die nicht ausreichen, können Folgeberatungen terminiert werden. Am einfachsten ist hier die Online-Anmeldung über www.arbeitsagentur.de/beratungswunsch.

Hinzu kommt, dass ich regelmäßig am Comenius-Kolleg Sprechstunden durchführe, in denen in 30 Minuten offene Fragen geklärt werden können.

Neben den individuellen Gesprächen bietet das Berufsinformationszentrum (BIZ) der Arbeitsagentur Rheine Vortragsveranstaltungen im Kolleg sowie im Berufsinformationszentrum an. Hier werden Informationen aus erster Hand zu Themen wie Studienfinanzierung, Bewerbung um einen Studienplatz, Auslandsaufenthalt oder einzelnen Berufsfeldern weitergegeben. Unsere Veranstaltungsprogramme liegen im Comenius-Kolleg aus.

Für diejenigen, die nicht studieren wollen, sondern eine betriebliche Ausbildung oder ein duales Studium planen, bieten wir Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Stellen an. Dazu werden unsere Kollegen vom Arbeitgeberservice hinzugezogen. Bei Bedarf unterstützen wir auch finanziell die Ausbildungsstellensuche, in dem wir Bewerbungs- und Reisekosten übernehmen können.

Sollte jemand Zweifel haben, ob er oder sie dem Studium gewachsen ist, bieten unsere Psychologen kostenlose psychologische Tests an, die relativ gute Aussagen zulassen. Solche Tests können über mich als Berater bei Bedarf veranlasst werden.

Im Internet bieten wir zudem eine große Palette an Informationen an: Die Websites www.berufenet.arbeitsagentur.de, www.studienwahl.de oder www.abi.de sind einige davon.