Überleben in der Trockensavanne (Mai 2015)

Überleben und Leben im Nordosten Brasiliens bedeuten: Mit der Dürre in der Trockensavanne und der extrem ungerechten Landverteilung zurechtzukommen. Wie das gehen kann, erzählten zwei Mitarbeiter des Bildungszentrums Mandacaru vor gut 50 Erst- und Zweitsemestern des Mettinger Comenius-Kollegs.

 

Adeodata Maria dos Anjos war 1991 Mitbegründerin des Zentrums in Pedro II im Bundesstaat Piauí und ist heute Leiterin der „Ecoescola Thomas a Kempis“, einer Ökoschule, die vor 13 Jahren unter dem Dach des Zentrums ins Leben gerufen wurde. Ihr Kollege Neto Santos koordiniert das Zentrum, das vor allem auf Bildung und Hilfe zur Selbsthilfe setzt. Damit soll die Armut der Menschen bekämpft und Abwanderung in die Städte verhindert werden.

137 Kinder zwischen elf und 18 Jahren lernen dort in den Bereichen Land, Wasser, schulische Bildung und religiöse Unterweisung. Allein zwei Wochenstunden lang üben die Schüler, die aus kleinen Gemeinden im Umkreis von bis zu 30 Kilometern in die Schule kommen, besser zu lesen. Neben Portugiesisch und Mathematik seien es vor allem praktische Fächer, die unterrichtet würden, erklärt die Schulleiterin.

Um in der Trockenzone überleben zu können, brauchen die Menschen Grundkenntnisse in der Imkerei, der Haltung von Nutztieren, im Garten- und Ackerbau. Mit den Kindern und Jugendlichen im Boot sind deren Eltern, die ebenfalls lernen müssen, so sinnvoll wie möglich mit dem zur Verfügung stehenden Wasser umzugehen. Um die angepflanzten Gemüse und Salate vor der extremen Hitze zu schützen und um die Verdunstung zu reduzieren, arbeiteten sie seit zwei Jahren mit Netzen und Planen. Mit Erfolg, denn „die Pflanzen wachsen sehr gut“, freuen sich die 57-Jährige und Neto Santos, der seit zehn Jahren das Zentrum betreut.

Mandacaru setzt darauf, dass die Familien das, was sie in der Schule gelernt haben, in ihre Heimatgemeinden tragen. Die angebaute und geerntete Ware verkaufen die Familien auf den lokalen Märkten und sichern sich auf diese Weise ein zusätzliches Einkommen in Höhe eines brasilianischen Mindestlohnes von 750 Real. Das sind etwa 250 Euro.

Das System funktioniere insofern sehr gut, dass viele Menschen ihre Kinder zur „Ecoescola Thomas a Kempis“ schicken möchten. 614 hätten die Schule bisher besucht und ihren Abschluss gemacht, weiß Adeodata Maria dos Anjos. Und sie freut sich, dass einige, die danach studieren, als Lehrer wieder in die Heimat zurückkehren.

Bildung sei die wichtigste Voraussetzung, um in vernünftigen Verhältnissen leben zu können, machen die beiden Brasilianer nachdrücklich deutlich. Sie scheinen auf dem richtigen Weg zu sein, denn „die große Mehrheit bleibt in dem Bundesstaat, der als der ärmste in Brasilien gilt“, haben sie beobachtet.

Grund genug für den Eine-Welt-Arbeitskreis des Comenius-Kollegs, das Mandacaru-Bildungszentrum mit 150 Euro zu unterstützen.

 

Quelle: IVZ, 15.05.2015