Was können wir tun? UNESCO-Projekttag am Comenius-Kolleg (April 2016)

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„Peeling besser selbst machen“, „Leinentaschen verwenden“, „Den Kaffee in der Bäckerei in einen eigenen Becher umfüllen lassen“ – das sind einige der Vorschläge von Studierenden des Comenius-Kollegs, die sich mit „Tödlichem Plastikmüll im Meer“ auseinandergesetzt haben. Dabei hatten sie nicht nur Informationen zu Müllinseln im Atlantik und den Giften, die sich damit verbinden, erhalten, sondern auch z.B. Peelings auf Mikroplastikteile untersucht und Biokunststoffe hergestellt. Allerdings erkannten sie, dass auch diese nicht unproblematisch sind, etwa weil das notwendige Ackerland auch für den Anbau von Nahrungsmitteln genutzt werden könnte.

„Schau hin! Misch dich ein!“ So lautete das Motto des diesjährigen internationalen Projekttages der UNESCO-Projektschulen. Diese Veranstaltung ist aus einer Solidaritätsaktion am 26. April 1996 - 10 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl - hervorgegangen. Der diesjährige Projekttag fand genau an diesem Datum statt. Auch das Comenius-Kolleg, seit 2009 anerkannte UNESCO-Projektschule, beteiligte sich an dieser Aktion.

Lehrerinnen und Lehrer des Kollegs, aber auch Studierende hatten dazu Arbeitsgruppen mit ganz unterschiedlichen Themen angeboten. Eines war die zunehmende Bedrohung durch den Plastikmüll, ein anderes das geplante Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA. Nach einem Austausch der Teilnehmer, der zwischen „Jeder hat ja die Freiheit, welche Ware er kaufen will, ob ein Chlor- oder ein Biohähnchen!“ und dem Hinweis „Die manipulierten Abgaswerte von VW sind ja in den USA und nicht in Europa aufgeflogen!“ pendelte, wurde genauer über die aktuelle Verhandlungssituation, soweit sie denn bekannt ist, informiert. Stefan Maguhun, Mitarbeiter bei Attac, war dazu ein kompetenter Referent und Gesprächspartner.

Genauso wie hier stand in der Arbeitsgruppe zu „IS – Fanatiker in Schwarz“ der Erwerb eines differenzierteren Bildes der Thematik im Vordergrund. Die von Studierenden des Kollegs geleitete Arbeitsgruppe vermittelte Informationen zur Entstehung, zu den Anführern und zum Verhältnis zu den USA und sollte dazu beitragen, dass der IS als extremistische und militärische Bewegung wahrgenommen wird, nicht als Zusammenschluss wahnsinniger Gotteskrieger.

Weitere Gruppen beschäftigten sich mit der These, dass Deutschland schon immer ein Einwanderungsland gewesen ist, oder versuchten zu zeigen, dass Türkisch mehr ist als Schimpfwörter und Döner. Ganz anders ging eine Gruppe vor, die eine (Franziskaner)-Kutte aus Jeansstoff, aus abgelegten Jeans, herstellen wollte - und noch will, denn sie muss bzw. will noch „nachsitzen“, weil sie nicht fertiggeworden ist. Das Ergebnis soll später im Foyer des Kollegs ausgestellt werden und als Symbol für die Aktualität der franziskanischen Ausrichtung dienen, mit ihrer Bescheidenheit, ihrem Umweltbewusstsein. Andere Angebote zur kreativen Auseinandersetzung mit dem Motto – Erstellung eines Videos, Musik, Theater – ergänzten die vielfältigen Möglichkeiten.

Den Abschluss fand dieser Tag mit einem gemeinsamen Mittagessen, einer Mischung aus Gerichten verschiedener Länder, die von Studierenden vorbereitet worden waren. So gab es z.B. ein typisch venezuelanisches und kolumbianisches Gericht, Arepas, eine Art Teigfladen auf der Basis von Maismehl, die mit einer Füllung aus Avocado, Käse und Hähnchen angeboten wurden. Aber auch ein Apfelstreuselkuchen durfte nicht fehlen. Und wo ist der Zusammenhang mit dem Motto des Projekttages? Infokarten informierten über die Gerichte und sollten zum „Einmischen“ motivieren. Und so vermischten sich nicht nur die Gerichte auf den Tellern, sondern auch die Menschen aus ganz unterschiedlichen Herkunftsländern und lernten sich in neuer Weise kennen und hoffentlich schätzen.

Text: Gunther Biesewig