Fehlgeleitete Entwicklung / Comenius-Kolleg informiert sich über Kohlebergbau in Kolumbien (Jan. 2017)

 Mitglieder der „Kohle-Arbeitsgruppe“ und der Kollegleiter begrüßen den Referenten. Von links nach rechts: Bernd Lobgesang, Steffie Schwaninger, Gabi Amshoff, Pablo Campos, Thorsten Bahlmann, Gerborg Meister.

Was hat Kolumbien mit Mettingen zu tun? Auf den ersten Blick nichts, aber bei genauerem Hinsehen doch eine ganze Menge. So gibt es am Comenius-Kolleg nicht nur eine größere Gruppe kolumbianischer Studienkollegiaten, sondern vielleicht wird Kohle aus Kolumbien nach dem Auslaufen des Steinkohleabbaus in Deutschland auch im Kraftwerk der RWE auf dem Schafberg verstromt werden.

Die „Kohle-Arbeitsgruppe“ am Comenius-Kolleg, die sich mit Geschichte und Gegenwart des Kohleabbaus im nördlichsten Revier Nordrhein-Westfalens beschäftigt, stieß auf diesen Zusammenhang. Um Genaueres über die Abbaubedingungen in Kolumbien zu erfahren, setzte sie sich mit dem „Forum für Umwelt und gerechte Entwicklung (FuGE)“ in Verbindung. Was dessen Mitarbeiter Pablo Campos den Studierenden berichtete und in einer Präsentation vor Augen führte, löste bei nicht wenigen von ihnen Kopfschütteln aus.

Und die folgenden Fakten sprechen für sich: Auf der Halbinsel Guajira im äußersten Norden des Landes wird zum Beispiel im Revier El Cerrejón, über das schon der „Spiegel“ vor kurzem berichtet hat, Kohle im Tagebau gefördert. Um den großen Wasserbedarf zu decken, ließ das dort aktive Bergbaukonsortium, das aus drei Firmen aus der Schweiz und den USA besteht, einen Fluss umleiten.

Ein Indianerdorf der Wayúu, das den Bergbauunternehmen im Wege stand, ergriff die Flucht nach vorne und willigte in seine Umsiedlung ein. Allerdings nur unter einer Bedingung: Die Indigenen forderten, dass sie in ihrer neuen Heimat über genügend Wasser verfügen würden. Die Umsiedlung fand statt – aber in eine Region, die so trocken ist, dass die Wayúu ihre traditionelle Land- und Viehwirtschaft nicht mehr betreiben können. Abwanderung, Verelendung und Kulturverlust sind die unausbleiblichen Folgen.

Pablo Campos verwies in seinem Vortrag auch darauf, dass El Cerrejón beispielhaft für eine ganze Reihe anderer Bergbaureviere Nordkolumbiens steht. Überall dort kommt es zu Landkonflikten mit den Einheimischen, zu massiver Einschüchterung der Bewohner und zu gravierenden Zerstörungen von Flora und Fauna. Während der Beitrag der Kohleförderung zum kolumbianischen Bruttoinlandsprodukt bescheiden bleibt, sind die Folgeschäden für das Land und seine Bewohner unermesslich.

Nach dem Vortrag untersuchten Lehrende und Studierende, unter ihnen auch kolumbianische Studienkollegiaten, die unterschiedlichen Interessen der direkt und indirekt am Kohleabbau beteiligten Gruppen wie der nationalen Regierung, der Konzerne, Arbeiter, Umweltschützer und Indigenen, aber auch der UNO und tauschten Argumente für und gegen die Erschließung der Kohlevorkommen aus. Das Fazit war, dass noch kein befriedigender Weg aus der Misere aufgezeigt werden kann. Aber fast allen wurde klar, dass Alternativen zur jetzigen Energieproduktion entwickelt werden müssen, damit das von der UNO beschlossene Ziel, die Erderwärmung auf weniger als zwei Grad zu begrenzen, erreicht und eine Katastrophe vermieden werden kann.

Da es bei der Veranstaltung nicht nur um die Auswirkungen des Kohlebergbaus in Kolumbien, sondern auch in Deutschland gehen sollte, wies Eine-Welt-Koordinator Bernd Lobgesang auf die Zerstörung von Dörfern im Aachener Revier und in Ostdeutschland hin, die dem Braunkohletagebau weichen mussten. Im Osten sei das besonders schlimm, da die kleine Minderheit der Sorben davon betroffen werde.

Foto: Mitglieder der „Kohle-Arbeitsgruppe“ und der Kollegleiter begrüßen den Referenten. Von links nach rechts: Bernd Lobgesang, Steffie Schwaninger, Gabi Amshoff, Pablo Campos, Thorsten Bahlmann, Gerborg Meister.