Zugfahrt nach Berlin wurde zur Brücke nach Bolivien (Juli 2017)

Kennengelernt haben sie sich zufällig im Zug nach Berlin: Alexandra Prado aus Bolivien und Gisela Lang aus Laggenbeck. Für Alexandra Prado ein Glücksfall, denn sie fand bei Gisela Lang eine Unterkunft, bis zu ihrem Abitur am Comenius-Kolleg. Nun engagieren sie sich gemeinsam mit anderen für internationale Kontakte.

Foto: Rita Althelmig

Engagieren sich für internationale Kontakte: (v.l.) Helmut Kellinghaus, Gisela Lang, Ingrid Prado, Alexandra Prado, Carlos Prado und Jürgen Coße. Foto: Rita Althelmig

Engagieren sich für internationale Kontakte: (v.l.) Helmut Kellinghaus, Gisela Lang, Ingrid Prado, Alexandra Prado, Carlos Prado und Jürgen Coße.

-al- METTINGEN. Manchmal gibt es Zufälle, die großartige Dinge beeinflussen können. So ging es Gisela Lang aus Laggenbeck, als sie auf dem Weg mit dem Zug nach Berlin war. Sie unterhielt sich mit der heute 19-jährigen Alexandra Prado aus Bolivien. Die erzählte, dass sie am Comenius-Kolleg in Mettingen studiert und auf Wohnungssuche dort sei. Von Osnabrück aus, wo sie seinerzeit in einer Wohngemeinschaft lebte, sei Mettingen schwer zu erreichen. Spontan bot Gisela Lang Alexandra an, bei ihr zu wohnen, denn sie hätte ein Zimmer frei. Nun begann eine Zeit, die für beide Seiten eine große Bereicherung bedeutete, und ein toller Erfahrungsaustausch begann. „Ich kann dringend empfehlen, Schüler aus dem Ausland aufzunehmen“, sagt Gisela Lang im Rückblick.

Kolleg in Lateinamerika sehr bekannt

Zurzeit hat Alexandra Prado, die im letzen Jahr ihren Schulbesuch am Kolleg begann und jetzt ihr Abitur absolvierte, Besuch von den Eltern Carlos Prado Vázquez und Ingrid Prado, die ebenfalls zu Gast bei Gisela Lang sind. Am Wochenende trafen sich nun die Gäste mit Mettingens früherem Bürgermeister Helmut Kellinghaus und dem SPD-Bundestagsabgeordneten Jürgen Coße in Begleitung von Fabian Löcken und Ingrid Lang im Café Justus, um Informationen über die kommende Stiftung: „Deutsch-brasilianische Studienstiftung St. Antonius“ auszutauschen.

Diese Stiftung soll, wie Kellinghaus berichtete, dazu dienen, den Erhalt des von Franziskanern geleiteten Kollegs auch in Zukunft zu sichern. Die Idee dazu wurde mit den Franziskanerpatres abgesprochen. Die Stiftung sei so gut wie gesichert. Es fehlen lediglich noch die Anerkennungen der kirchlichen Stiftung durch die Bezirksregierung und das Bistum Münster. Die Gemeinde Mettingen hat bereits ihre finanzielle Unterstützung beschlossen, denn wie die Prados versichern, ist das Comenius-Kolleg in Lateinamerika sehr bekannt.

Alexandra Prado und ihre Eltern äußerten sich sehr dankbar dafür, dass die junge Frau ihr Abitur, das sie in Bolivien an einer deutschen Schule begonnen hatte, in Mettingen absolvieren durfte. Nun kann es mit dem Studium weiter gehen. Auf ihre Bewerbungen für ein Studium in „International Business“ hat sie mehrere Zusagen bekommen, nun muss die Bolivianerin sich entscheiden – zwischen Mannheim und Pforzheim. Auch ihr Bruder nimmt in Deutschland ein Studium auf, nachdem er in Bolivien eine deutsche duale Ausbildung absolviert hat, die ihn zum Studium hierzulande berechtigt.

Prado: Deutsche Schulen dort die besten

Warum ist Deutschland als Ort für Abitur und Studium in Lateinamerika so beliebt? Deutsche Schulen seien dort die besten, kosten aber viel Geld, berichtet Alexandra Prado. Sie sei mit der deutschen Sprache aufgewachsen und habe bereits mit 16 Jahren in Kevelaer am Niederrhein einen Schüleraustausch absolviert.

Die Prados betonen, dass sie das Studienkolleg und die Idee der Stiftung gerne unterstützen würden, da sie beruflich weitgehende internationale Beziehungen haben, insbesondere in Bolivien, wo sie herstammen, und Paraguay, wo sie jetzt leben.

 

IVZ: 31.07.2017, Rita Althelmig

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