Sonnenfinsternis im August 1999
Bilder aufgenommen von Thorsten Menke, Studierender am Comenius-Kolleg Mettingen

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Beobachtungen am Comenius-Kolleg Mettingen

Wohl der Schule, die einen "Hobbyastronomen" als Studierenden hat, der zudem über ein eigenes Observatorium verfügt. 
Das Comenius-Kolleg hat Thorsten Menke ("Astro-Thorsten"), dessen Observatorium gerade umzieht, und der deshalb ohne größere Mühe sein Teleskop auf dem Schulhof aufbauen konnte. In der 5. und 6. Stunde gab es am Dienstag nämlich Unterricht im Freien.


Schon vorher hatte Thorsten in Referaten über den Vorgang einer Sonnenfinsternis aufgeklärt, in anderen Unterrichtsfächern gab es historische, soziologische, mathematische und andere Ergänzungen. Etwa ein Viertel der Studierenden war mit Sonnenfilterbrillen und ?folien ausgestattet. Pater Osmar hatte zwei 10er-Schweißgläser zusammengeklebt, Thorsten die Objektive mit Folie abgedeckt. Optimaler Schutz also. Und zwar für alle. Denn die Besitzenden teilten mit den Habenichtsen. Niemand schaut ja unverwandt zwei Stunden. Jeweils ein kurzer Blick, dann wanderte die Brille weiter. Ein schönes Gemeinschaftserlebnis.
Vor den Fernsehgeräten in den verschiedenen Räumen verfolgten Studierende und Lehrende die Übertragungen von ARD und ZDF. Die meisten aber harrten draußen aus und waren auch nicht enttäuscht, als zwei Minuten vor dem hier möglichen Bedeckungsmaximum von etwa 92% eine dicke Wolkenbank den Blick auf die Naturerscheinung unmöglich machte. 
Es wurde ganz leicht dämmrig, wie an einem sonnigen Sommerabend. Deutlicher spürbar war schon der Rückgang der Temperatur. Und sinnlich erfahrbar wurde in diesem kurzen Moment, wie abhängig wir von der Sonne sind, selbst wenn sie nur zum Mittelmaß im Universum zählt, wie wir möglicherweise auch. 

Angeregte Gespräche ließen keine Langeweile aufkommen. Am Refraktor bildeten sich kleine Schlangen, aber alle durften gucken. 
Nur an die große "Röhre" kam niemand, denn die benötigte Thorsten für seine Fotos. Ein Muslim fragte einen Christen, ob es wie im Islam auch im Christentum eine Aufforderung gebe, bei einer Sonnenfinsternis zu beten. Die gibt es nicht. Ein Lehrer aus Brasilien erinnerte sich an seine Kinderzeit im Bundesland Ceará, in der er eine totale Sonnenfinsternis erlebt hatte. Comenius-Kolleg: Austausch zwischen Kulturen auf engem Raum. Der "männliche" Mond der germanischen Sprachen berührt die "weibliche" Sonne, in den romanischen Sprachen ist der Mond weiblich, die Sonne männlich, dort also nimmt die Frau den ersten Kontakt zum Mann auf. Menschliche Vorstellungen auf Gestirne übertragen. Noch fragt niemand, ob es auch Sprachen gibt, in denen beide Gestirne dasselbe Geschlecht haben. 

Spannender Unterricht, keine verlorene Zeit, wie manche Kultusministerin mit stetem Blick auf süddeutsche Bundesländer fürchten mag. Ganz im Sinne von Comenius, der vor nun bald 400 Jahren forderte, daß Schule nicht nur in dem Kasten sein solle, der Klassenraum heißt. Ein Lob der Schulkonferenz und der Schulleitung, die diese Schulveranstaltung ermöglichten. Ein Lob und Dank Thorsten für seinen gelungenen Unterricht, der ganz im Sinne von Paulo Freire zeigte, daß die Rollen von Lehrer und Schüler austauschbar sind. 

Hupsy