Eröffnung der Krabbenausstellung (September 2004)

 

ökologische Garnelen
Umweltschonende Alternative für die Kleinfischer Brasiliens
Podium zur Ausstellungseröffnung am 15.9.2004: von links: Bernd Lobgesang, Franz-Josef Röhr, Gerborg Meister, P. Osmar Gogolok, Prof. Padre Francisco Aquino Paulino, Bischof Josef Haring (Dom Jose.)



Was hat Kirche mit Garnelenzucht zu tun? Padre Francisco de Aquino Paulino,Theologieprofessor aus Fortaleza in Nordostbrasilien, gab die Antwort. Wo Menschen gekreuzigt werden, muss Kirche präsent sein, um Leben zu erhalten. Erstklassig besetzt war das Podium im Comenius-Kolleg bei der Eröffnung einer Ausstellung zu ökologischer Krabbenzucht. Schulleiter Pater Osmar Gogolok konnte neben dem Autorenteam Gerborg Meister, Franz-Josef Röhr, Bernd Lobgesang, die alle drei an der Schule für Erwachsene unterrichten, als Gäste Bischof Josef Haring (Dom Jose) aus Limoeiro do Norte, Padre Francisco und Regina Hägener von der Bischöflichen Aktion ADVENIAT begrüßen.

Bischof Haring, in dessen Diözese eines der größten Zuchgebiete industrieller Krabbenproduktion Brasiliens liegt, schilderte in bewegenden Worten, wie sich seit 2000, als er Bischof von Limoeiro wurde, über rein ökonomische Aspekte der Krabbenzucht sein Blick für die mit ihr verbundenen sozialen und Umweltprobleme schärfte. Dabei halfen ihm junge Leute der dortigen Caritas. So werden z.B. die Krabbenzuchtbecken mit Ammoniak gereinigt, die Abwässer ungeklärt in den Jaguaribe-Fluss geleitet. Sie zerstören dort die Mangrovenwälder und weichen die Panzer der Flusskrebse auf, Einnahmequelle von Kleinfischern und ihren Familien.

11429852991 Josef Haring (Dom Jose), Franziskaner und Bischof der Diözese Limoeiro do Norte.


Padre Francisco ergänzt, dass fünf Hektar Mangroven 20 Familien ernähren, fünf Hektar industrielle Krabbenzucht aber nur zwei Personen. Die industrielle Garnelenproduktion verschlingt riesige Mengen Trinkwasser in der Gegend Brasiliens mit der größten Wasserknappheit. Zur Produktion einer Tonne Garnelen würden 50 bis 60 Millionen Liter Trinkwasser verbraucht, führte Padre Francisco aus. Hinzu komme, dass die Industrieproduktion von Krabben sich an Flussufern breitmache, die Gebiete dort privatisiere und so den Kleinfischern den Zugang zu ihrem Arbeitsgebiet versperre. Und das in einer Region, wo 76% der Menschen unter der Armutsgrenze leben.?

11429853002 Das Autorenteam: (von links) Franz-Josef R?hr, Gerborg Meister, Bernd Lobgesang


Das Autorenteam gab wichtige Hintergrundinformationen. So sind, lt. Bernd Lobgesang, die Mangroven weltweit die Kinderstube für die Hälfte aller Fischarten. Gerade das Sammeln z.B. von Krebesen in den Mangroven, führte Gerborg Meister aus, sei Angelegenheit der Frauen am Rande der Gesellschaft, die damit ihre Familien ernährten. Franz-Josef Röhr will die Ausstellung zur Bewusstseinsbildung in Deutschland verstanden wissen. Wenn schon Garnelenzucht, dann aber ökologische mit strengen Richtlinien. Selbstverständlich mit dem Einverständnis der Kleinfischerfamilien in den Gebieten. Drei Tafeln der Ausstellung weisen bereits auf ein solches Projekt in Ekuador hin, die Granelen werden über Naturland vertrieben.

Leider musste auch wieder berichtet werden, wie gefährlich es nach wie vor ist, wenn Menschen auf ihren Rechten bestehen. Am 7.9.2004, so schilderte Padre Francisco, wurden verschiedene Fischer, unter ihnen auch Kinder, beim Versuch die Zerstörung ihres traditionellen Mangrovengebietes durch die Garnelenzuchtfirma Joli zu verhindern, von drei Pistolenmännern beschossen, verletzt, gefesselt und gefoltert. Zwei Pistolenmänner waren Polizisten, einer ein Unterleutnant. Das Auditorium schloss sich mit Unterschriften dem Protest des Nationalrats der Fischerpastoral CPP gegen diese Gewaltakte an.

Text und Fotos: Hupsy





Mit dieser Ausstellung soll dreierlei erreicht werden. Erstens soll das Bewußtsein der Bevölkerung in Deutschland hinsichtlich der drohenden ökologischen Katastrophen, die durch die herkömmliche Krabbenzucht entsteht, geschärft werden zumal der Konsum vom Krabben in Deutschland steigend ist. Daher ist es zweitens wichtig, dass die Menschen hier erfahren, dass diese Krabben mit Antibioka belastet sind und daher sich schädigend auf die Gesundheit auswirken. Die Lust am Verzehr von Krabben soll aber nicht zerstört werden. Deshalb wollen wir auch Aufklärung über die ökologische Krabbenzucht betreiben. Bioläden, mit denen wir schon Kontakt aufgenommen haben, sind stark an dieser Ausstellung interessiert. Außerdem wollen wir unsere Solidarität mit dem Kampf der Kleinfischer um ihre Menschenrechte zum Ausdruck bringen und die hiesige Bevölkerung auffordern, diesen Kampf zu unterstützen.