Deutschkurs entführt irgendwohin nach Afrika (Oktober 2005)

 

Irgendwo in Afrika
Eigenes Wissen weitergegeben



Die Teilnehmer des Leistungskurses Deutsch des 5. Semesters erstellten in einem Unterrichtsprojekt eine kleine Ausstellung mit dem Titel "Irgendwo in Afrika - Probleme Afrikas in der Literatur" erstellt. Die Ausstellung befasst sich mit den Romanen "Warten auf die Barbaren" des südafrikanischen Autors und Nobelpreistr?gers J.M. Coetzee und "Der Chronist der Winde" des schwedischen Autors Henning Mankell, der zeitweise in Maputo, der Hauptstadt Mosambiks, lebt.
J. M. Coetzee erzählt in seinem Roman von einem Dorf am Rande eines nicht näher benannten Reiches, in dem der Friede und das weitgehend unproblematische Zusammenleben von Dorfbewohnern und Eingeborenen durch die Ankunft des Militärs zerstört wird, das die Eingeborenen, die verstreut im Land leben, nun als seine Feinde betrachtet und gnadenlos verfolgt. Coetzee bezieht sich in seinem Roman auf die Geschichte der Kolonisation Südafrikas, sein Roman ist aber eher parabelhaft angelegt, sodass die erzählten Mechanismen der Unterdrückung auch auf andere Länder zu übertagen sind. 

11430536821


In der Ausstellung werden Bilder und Texte gezeigt, die sich auf die Geschichte der brutalen Kolonisation des Südens Afrikas beziehen und die auch auf die Probleme verweisen, unter denen Afrika noch heute leidet und die zum Teil auch als Folgen der Kolonisation anzusehen sind.




Henning Mankell behandelt in seinem Roman das Leben von Straßenkindern in Afrika. Auch wenn der Name Maputo nicht erwähnt wird, geht aus der Schilderung der Lage der Stadt hervor, dass die Handlung in Maputo spielt. Ein ehemaliger Bäcker erzählt von den letzten Tagen des Straßenkindes Nelio, das er angeschossen in einem alten Theater gefunden hat und das er bis zu seinem Tod pflegt. In diesen neun Tagen erzählt Nelio José seine Geschichte, wie sein Dorf von marodierenden Soldaten überfallen wird, wie die Dorfbewohner zum Teil getötet werden, wie Nelios Familie auseinandergerissen wird und wie er schließlich in der Stadt landet und zum Anführer einer kleinen Schar von Straßenkindern wird. Mankell zeigt in seinem Roman in vielen Teilen durchaus realistisch das Leben der Kinder auf der Straße und macht mit seinem Roman darauf aufmerksam, dass die Zahl der Straßenkinder in Afrika infolge der Bürgerkriege und der Aids-Epidemie drastisch zugenommen hat. Auf dieses Problem und auf das Problem der Kindersoldaten, das Mankell in seinem Roman auch streift, haben die Studierenden in der Ausstellung mit Bildern, Statistiken und kurzen Texten hingewiesen.


11430536822


Präsentiert wurde die Ausstellung in kleinen Führungen für interessierte Kurse des Comenius-Kollegs, wobei die Mitglieder des Leistungskurses Deutsch auch Auszüge aus den beiden Romanen vorlasen und ihre Leseeindrücke und Bewertungen der beiden Romane mitteilten.




Text: Peter Donnermeyer, Fotos: Birte Küpperbusch