So kam er auch wieder nach Brasilien, um den Kampf der Menschen auf dem Land zu dokumentieren. In seiner Ausstellung „Terra“ zeigt er beispielsweise Indianer, Zuckerrohrschneider, Sisalarbeiter und Goldgräber. Die Bilder erzählen vom Alltagsleben der Menschen während und nach der Arbeit, von religiösen Festen und von den Spielen der Kinder. Die Bilder zeigen allerdings auch die Trauer um die Toten, die ihr Leben bei Landkonflikten verloren. Außerdem zeigt sie Menschen, die ihr Land verlassen und ihre Hoffnung nach einem besseren Leben in den Städten suchen, wo sie allerdings häufig in den Elendsvierteln oder auf den Müllhalden auf menschenunwürdige Bedingungen stoßen. So leben heute noch grob 20% der Bevölkerung auf dem Land und 80% in den Städten. 

Unterricht in der Eingangshalle der Schule.

Die Probleme auf dem Land haben sich leider auch unter der Regierung Lula nicht wesentlich verändert. Lula hatte seine Regentschaft angetreten mit dem Versprechen, die schon lange erwartete Agrarreform umzusetzen. In seinem ersten Regierungsjahr hat er dem bis dahin herrschenden Gesetzt, dass unproduktives Land enteignet werden kann, nicht viel mehr ha enteignet, wie die Regierung vor ihm. Im letzten Jahr ist diese Zahl noch einmal um 62 % zurückgegangen.
In der Botschaft des Präsidenten Lula an den Nationalkongress zum Mehrjahresplan 2008 bis 2011 und dem Jahreshaushalt 2008 taucht die Agrarreform kaum noch auf. Lula wendet sich von der Bodenfrage im Rahmen der Agrarreform ab. Auch das Gesetzesvorhaben, das vorsieht, Fazendas zu enteignen, auf denen immer noch Sklavenarbeit stattfindet, wird nicht erwähnt.
Ganz andere Entwicklungen zeichnen sich heute in Brasilien ab. Der weltweite Bedarf an Agrotreibstoffen treibt den Anbau von Monokulturen an wie beispielsweise Zucker und Soja. Dadurch werden unproduktive Ländereien in hoch produktive Betriebe verwandelt, aber nicht nur das, auch Wälder werden gerodet, um die schnell wachsenden Eukalyptuspflanzen anzubauen.

Beeindruckende Schwarz-weiß-Fotos.

In solchen Prozessen bleibt wenig Raum für die Landreformen. Im Gegenteil, Menschen, die dieser Entwicklung im Wege stehen, werden von ihren Ländereien vertrieben. Insgesamt ist zwar die Zahl der Landkonflikte 2007 von 761 auf 615 gesunken. Betroffen davon sind aber immer noch etwa 67 000 Familien. Die Ängste, Enttäuschungen und Entbehrungen dieser Menschen existieren weiterhin, auch wenn sich die Zahl der Morde auf 28 reduziert hat.
In dieser Ausstellung werden auch Bilder von der Situation nach dem Massaker in Eldorado dos Carajás gezeigt. Dort wurden am 17. April 1996 19 Landarbeiter, die für ihre Rechte kämpften, von den Polizisten erschossen.
Am 17.4.2008 wurde Paulo Sette Câmara von der Konrad Adenauer Stiftung als Gastredner zum Thema „Kriminalität und Gewalt als Herausforderung für die Demokratie in Brasilien“ eingeladen. Câmara erteilte im Jahre 1996 als Staatssekretär die Anweisung die besagte Straße in Carajás auch unter Einsatz vom Schutzwaffengebrauch frei zu räumen. Verschiedene nationale und internationale Solidaritätsgruppen protestierten gegen die Einladung. Meines Wissens hat sich die Konrad Adenauer Stiftung aber nichts von den Protesten angenommen.
S bleibt die Frage, welches Recht herrscht auf dem Land in Brasilien und wie stehen wir dazu.
Text: Gerborg Meister, Fotos: Hupsy