In dem regelmäßig stattfindendem Brasiliengespräch ging es um die besorgniserregenden Entwicklungen in Brasilien. Dabei wurde Probleme benannt die die demokratische Entwicklung des Landes bremsen oder sogar verhindern.

Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

– territoriale Größe des Landes

– offener und verborgener Rassismus („Wenn der Schwarze geht, faulenzt er. Wenn er läuft, hat er gestohlen.“)

– Minderwertigkeitsgefühle und Selbsthass der Unterdrückten

– systemische Korruption

– unaufgearbeitete Geschichte (kein nationales Museum zur Geschichte der Sklaverei, Brasilien als vielgepriesene „Rassendemokratie“, nirgendwo auf der Welt war die Sklaverei angeblich erträg-licher)

– Machismo und Paternalismus, konservative Starrheit

– zu schwach ausgebildetes staatsbürgerliches Denken (Cidadania)

– wenig Solidarität zwischen den Landesteilen (Arroganz des „Südens“, Amazonien liegt im Be-wusstsein vieler weiter weg als New York, Vorurteile gegenüber den Nordestinos)

– Schwächen des parlamentarischen Systems (keine Fünfprozentklausel oder Vergleichbares, des-halb keine stabilen politischen Mehrheiten, kaum politisch profilierte Parteien, Klientelismus, schneller Wechsel von Politikern von einer Partei zur anderen)

– keine Agrarreform, ungelöste Landfrage (trotz des jahrzehntelangen Kampfes der katholischen Kirche und des MST/Movimento dos Trabalhadores sem Terra = Landlosenbewegung)

– große Kluft zwischen Arm und Reich

– politisch unreife Mittelschicht, die ihre Privilegien bedroht sieht und nach dem starken Mann ruft, also unter Umständen nach dem Militär (trotz der Militärdiktatur)

– rasante Zunahme des Einflusses der evangelikalen Sekten, die in der Regel extrem konservativ und reaktionär sind

– fehlende oder zu schlechte Bildung der unteren Bevölkerungsgruppen

– keine wirkliche Pressevielfalt (alle wichtigen Zeitungen in wenigen Händen), keine bedeutenden unabhängigen Radiosender, keine seriösen Fernsehprogramme

– grassierende Kriminalität und extrem hohe Mordrate, die teilweise höher liegt als in Bürger-kriegsgebieten