Schüler des Comenius-Kollegs
Die Synergy Dance Crew des Comenius-Kollegs nimmt am Dance Contest der DAK teil. (vorne, vl.) Rielly, Favour, Deliana sowie (hinten, v.l.) Rika, Michael und Ajeng tanzen im Finale.

Ein bisschen nervös sind Ajeng, Michael, Favour, Deliana, Rika und Rielly schon, wenn sie an den 7. Juli denken. Dann stehen die sechs Schüler des Comenius-Kollegs auf der großen Bühne im Centro Oberhausen und tanzen im Finale des Dance Contests der DAK-Gesundheit.

Die jungen Tänzer, die zurzeit in Mettingen die Zugangsberechtigung zum Studium erwerben, stammen aus Afrika und Indonesien. Erst vor wenigen Monaten haben sie begonnen, in einer nachmittäglichen AG gemeinsam zu tanzen. Hip Hop und Street Dance steht dabei hoch im Kurs. Als ihre Sportlehrerin Petra Köstler vorschlug, sich für den Dance Contest zu bewerben, waren die Schüler sofort dabei. Sie schickten ein Video ein und bekamen Ende Mai die Nachricht, dass sie sich im Finale der Jury um Ekaterina Leonova („Let’s Dance“) und Luca Hänni (Gewinner der Castingshow Deutschland sucht den Superstar 2012) präsentieren dürfen. Da herrschte erstmal Ausnahmezustand bei den temperamentvollen Tänzern.

In den vergangenen Wochen hat die Gruppe, die „Synergy Dance Crew“ nennt, nun fleißig an ihrem Final-Auftritt gearbeitet. Als erstes stand die Musik: Vier Lieder, darunter „What do you mean?“ von Justin Bieber und „Look but don‘t touch“ von Empire Cast, haben die Tänzer ausgewählt. Das sei nicht so schwer gewesen, berichtet Michael Nwosru (25), denn musikalisch gingen sie alle in eine ähnliche Richtung. Schwieriger war es für die quirlige Truppe da schon, die entsprechenden passenden Schritte zu finden, um ihren Drei-Minuten-Auftritt zu gestalten.
Zwei bis drei Mal pro Woche rücken die „Synergy Dance Crew“ in einem Klassenraum des Comenius-Kollegs Tische und Bänke beiseite und tanzt. Keine Sporthalle, kein Spiegel, keine Musikanlage – verschärfte Bedingungen für die Wettbewerbsvorbereitung. Aber für die sechs gilt sowieso: Hauptsache tanzen. „Ich habe immer Lust zu tanzen“, sagt Michael, der in seiner afrikanischen Heimat auch schon auf der Straße aufgetreten ist und sich damit etwas Geld dazuverdient hat. „Ein Leben ohne Tanzen ist für mich nicht denkbar.“

„Hier gibt es gute Universitäten“

Auch Favour Ogu (20) tanzt schon seit Langem, früher oft mit seinen Geschwistern. „Das Gefühl, das ich beim Tanzen habe, ist einmalig“, sagt der Schüler. Er gehörte in seiner Heimat Nigeria bereits einer Tanzgruppe an. Etwas ähnliches am Comenius-Kolleg aufzubauen, hielt er deshalb sofort für eine gute Idee, sagt der Schüler. Rika Silitonga (19) aus Sumatra war ebenfalls sofort Feuer und Flamme. Sie hat in ihrer Heimat für die Cheerleader getanzt. Das fehlte ihr in Deutschland. „Hier gibt es dafür kaum Möglichkeiten“, sagt die 19-Jährige. Zwar hat das, was die „Synergy Dance Crew“ nun macht, wenig gemeinsam mit den Tänzen der Cheerleader, Rika freut sich aber trotzdem über die Gelegenheit, ihr Tanz-Talent mit Gleichgesinnten auszuleben. Gesang und Musik waren stets das, was Rielly Suawa (18) aus Indonesien begeistert haben. Zum Tanzen hat sie erst ihre Freundin Rika gebracht. „Ich habe immer gesagt, dass ich das nicht kann. Aber sie hat nicht locker gelassen“, sagt Rielly. „Jetzt ist es ein neues Hobby geworden.“ Nun stehen sie am 7. Juli gemeinsam auf der Bühne. „Ganz was anderes“ hat auch Deliana Tarigan (19) in ihrer Heimat Indonesien getanzt, traditionelle Schritte nämlich. Aber für die modernen Moves der Dance Crew kann sie sich natürlich auch begeistern. Inzwischen vergeht eigentlich kein Tag, an dem sie nicht wenigsten ein bisschen zu Hause tanzt.
Alle sechs Schüler wollen nach ihrem Abschluss am Comenius-Kolleg studieren, die meisten in Deutschland. „Hier gibt es gute Universitäten“, sagt Rika. In den Übungsstunden zwei bis drei Mal die Woche feilen die Tänzer bis zum 7. Juli an ihrer Choreographie. Anfang und Ende des Tanzes stehen noch nicht so richtig. Klar, dass es da beim Training manchmal auch hoch her geht. Dass sie alle aus unterschiedlichen Kulturen kommen, spielt beim Tanzen aber keine Rolle. „Da sind alle gleich“, da sind sich die Sechs einig.

Für ihren Auftritt wollen Rika, Rielly, Deliana, Ajeng, Michael und Favour ein paar Fans aus Mettingen mitnehmen. Die dürfen dann auch gerne helfen, das Lampenfieber zu bekämpfen.

Quelle: IVZ online vom Mittwoch, 27. Jun. 2018 – 16:15 Uhr Linda Braunschweig