Diese afrikanische Weisheit nahm sich Serge Nassara, ehemaliger Studienkollegiat, schon früh in seinem Leben zu Herzen. Der junge Mann aus Burkina Faso gründete bereits in der 11. Klasse einen Club mit seinen Freunden, der anderen jungen Menschen und Einwohner seines Heimatdorfes Tiébélé in unterschiedlichen Lebensbereichen helfen wollte. Unter anderem reiste er von Dorf zu Dorf mit einem Esel und Karren, um die Menschen über AIDS aufzuklären oder über die Bildungsnotwendigkeit junger Mädchen und Frauen, die sonst traditionell nur im Haushalt arbeiten.

Am 12. Februar 2019 kam Serge wieder an das Kolleg, um sein Heimatland und seine gemeinnützige Arbeit dort vorzustellen. So kamen einige Studierende vom 3. bis zum 6. Semester in den Genuss, mehr über die beeindruckende Biografie des jungen Mannes zu erfahren. Zunächst erzählte Serge, der im vergangenen Sommer seine Feststellungsprüfung erfolgreich am Studienkolleg Mettingen abgelegt hat und nun BWL im 2. Semester studiert, Allgemeines über das Klima, die Geschichte, die Geografie, die Sprache, die Religion und die Tiere in Burkina Faso. Anschließend referierte er über die verschiedenen Projekte, die durch seinen mittlerweile ratifizierten Verein in Burkina Faso ins Leben gerufen worden sind. Er als Mitgründer ist natürlich Feuer und Flamme für seine Ideen, so dass man ihm seine Begeisterung mit jedem Wort und jeder Geste anmerken konnte.

Jedes Jahr organisiert der Verein, der hauptsächlich durch Spendengelder finanziert wird, ein Sommer-Fußballcamp für ca. 150 Kinder, in dem sie einerseits Sport treiben, andererseits aber auch in verschiedenen Fächern wie Englisch oder Musik unterrichtet werden. Mittags erhalten sie eine frisch gekochte Mahlzeit, für viele die einzige des Tages. Dann gibt es noch diverse Aktionen, um die Umwelt vor Ort zu schützen und besser zu gestalten. Hierzu zählen zum Beispiel eine Müllsammelaktion, eine Baumpflanzaktion, der die oben genannte afrikanische Weisheit zugrunde liegt, oder das neueste Projekt, in dem ein botanischer Garten mit über 5.000 unterschiedlichen einheimischen Pflanzen angelegt wird, um auch als außerschulischer Lernort genutzt zu werden. Ebenso gibt es auch immer wieder Workshops für Jugendliche, um die traditionelle Bemalung der Häuser im Dorf aus Naturfarben zu lernen.

Leuchtturmprojekt des Vereins, der hier in Deutschland eng mit dem münsterscher Verein african roots e. V. zusammenarbeitet und auf diesem Wege gerne unterstützt werden darf, ist jedoch der Bau einer Vorschule in Tiébélé. Der Besuch dieser Schule ist für die Kinder kostenlos, was als großes Privileg gelten darf. Erstens gibt es nur sehr wenige Vorschulen in Burkina Faso und zweitens kostet das Besuchen einer dieser wenigen Schulen sehr viel Geld, was sich nur die reicheren Familien in dem Land leisten können.

Generell sei das Bildungssystem sehr schlecht, so der junge Mann, da es noch aus der französischen Kolonialzeit stammt. Es wird heutzutage immer noch aus denselben Büchern wie vor der Unabhängigkeit des Landes 1960 unterrichtet. Auch der Unterrichtsstil der Lehrerinnen und Lehrer sei schlecht, da sie häufig nur Monologe halten würden und die Kinder alles auswendig lernen müssten. In der Vorschule in Tiébélé erfolge der Unterricht jedoch nach den eigenen Regeln des Vereins, der versucht, den Kindern den Spaß am Lernen und an der Schule zu vermitteln. Der Name des Vereins lautet in Übrigen Dizenidani, was so viel bedeutet wie „uns gegenseitig helfen“, was Serge Nassara tief in seinem Herzen verinnerlicht hat.

Text und Fotos: Steffie Schwaninger