Corona beschäftigt nicht nur uns in Deutschland, sondern Menschen auf der ganzen Welt. Und so ist das Thema eines Artikels von Liz Palma Bulnes nicht verwunderlich: Sie hat persönliche Erfahrungungen mit CoVid-19 von Menschen aus vielen verschiedenen Ländern gesammelt und in einem Artikel im „f1rstlife“-Magazin veröffentlich. Liz ist eine Absolventin des G-Kurses im Studienkolleg Mettingen und hat ihre FSP im vergangenen Dezember erfolgreich bestanden.

Ihren Artikel hat Liz auf Englisch verfasst – nicht, weil sie ihn nicht auf Deutsch schreiben könnte, sondern, weil sie, so hat sie es berichtet, die Informationen für die Menschen auf der ganzen Welt zur Verfügung stellen wollte, denn Englisch ist die wichtigste Brückensprache. Der Link zu Liz‘ Artikel befindet sich am Ende des Interviews.

Anlässlich ihrer ersten Veröffentlichung hat Liz einige Fragen beantwortet – in Zeiten des Versammlungsverbots natürlich nicht persönlich, sondern per E-Mail.

 

Liz, du kommst aus Honduras, einem kleinen Land in Zentralamerika, das neben Haiti auch zu den ärmsten Ländern Mittelamerikas gehört. Wie bist du von dort nach Deutschland, genauer: nach Mettingen, gekommen? Was hat dich dazu bewegt, deine Heimat zu verlassen?

Schon als kleines Kind war ich neugierig und wissbegierig. Ich hinterfragte die Welt um mich herum und alles, das ich noch nicht kannte. Meine Schule, die Escuela Internacional Sampedrana (EIS), und ihr internationales System gab mir die Gelegenheit, eine globalere Perspektive zu entwickeln.
Als ich klein war, wusste ich, dass ich einen Einfluss auf die Welt haben wollte. Mein Heimatland, Honduras, ist wunderschön, aber sehr arm. Die Bildungschancen und die Arbeitsmöglichkeiten sind begrenzt. Ich liebe mein Land und wollte etwas Gutes Honduras erreichen, aber ich verstand schnell, dass ich im Ausland dafür bessere Chancen erhalte.
Ich habe mich für Deutschland entschieden, weil ich die Sprache immer geliebt habe. Sie ist ja mega kompliziert, aber ich werde immer von komplizierten Dingen angezogen. Ich mag Herausforderungen, es ist einfach so. Eine dritte Sprache ermöglicht mir außerdem, bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben. Es gibt eine große Konkurrenz und ich strebe nach höheren Qualifikationen, um aus der Masse herauszustechen; und Deutsch ist eine attraktive Sprache in der Berufswelt. Schließlich ich wollte eine globalere Bildung haben. Ich könnte auch in den USA, Kanada oder sonst irgendwo studieren, aber ich wollte meine universitäre Karriere nicht nur auf ein Land begrenzen. Wenn man an Deutschland denkt, denkt man auch an die Europäische Union (EU). Europa ist auf jeden Fall gut miteinander vernetzt.
Deswegen zog ich nach meinem Abitur 2018 nach Deutschland. Ich begann einen B2-Intensiv-Deutschkurs und habe mich bei vielen Studienkollegs beworben. Die erste Aufnahmeprüfung, zu der ich eingeladen wurde, war die vom Studienkolleg Mettingen. Am Tag der Aufnahmeprüfung habe ich einige meiner Freunden kennengelernt. Das Studienkolleg gefiel mir sehr, das Dorf aber auch! Nach einer Woche bekam ich die Zulassung und entschied mich, dorthin zu gehen. Es war wirklich die beste Entscheidung für mich. Ich habe im Kurs so viele interessante und bedeutungsvolle Themen behandelt, habe viele nette Leute kennengelernt und die beste Freunde gefunden, und habe letztlich mein Deutsch in Wort und Schrift um 100% verbessert.
Derzeit bin ich dem Beginn meiner Hochschulbildung in Deutschland einen Schritt näher gekommen. Ich bin gespannt darauf, mein Studium zu beginnen und in die Berufswelt einzusteigen. Ich plane jedoch, als Profi in mein Heimatland zurückzukehren und dabei zu helfen, eine positive Veränderung in meiner Gesellschaft, insbesondere im Bildungssystem, herbeizuführen.

Im Dezember 2019 hast du das Studienkolleg in Mettingen mit der FSP im G-Kurs erfolgreich abgeschlossen. Was hast du seitdem gemacht? Und wie kam es dazu, dass du jetzt einen Artikel für das Magazin „f1rstlife“ geschrieben hast?

Nach dem Abschluss des Studienkollegs im Dezember 2019 habe ich mich an der Universität beworben. Die Uni verlangt von mir ein Vorpraktikum in der Redaktion und ich habe eine Stelle bei f1rstlife bekommen. Ich habe von f1stlife erfahren, weil ein Freund von mir mit dem Chefredakteur des Online-Magazins befreundet ist, er hat den Kontakt hergestellt.
Ich schaute mich auf der Website um, sah aussagekräftige Artikel, habe mich mit der Idee des Magazins identifiziert und wurde inspiriert von seinen Vorstellungen. So entschied ich dann, den Chefredakteur zu kontaktieren. Timo stimmte zu, mich zu treffen, und nach unserem Gespräch habe ich die Zusage für das Praktikum erhalten.
Ich hatte die Gelegenheit, einen Artikel zu schreiben, weil ich Praktikantin der Redaktion bin. Dieser Artikel war der erste von, hoffentlich, vielen weiteren. Das Besondere: Jeder kann mitmachen und freier Mitarbeiter sein! Wer Interesse hat, sollte sich per E-Mail bei der Redaktion melden oder das Kontaktformular auf der Website verwenden. Wir freuen uns auf weitere tolle Beiträge und Ideen von allen!

Ab Oktober möchtest du Journalismus und Politikwissenschaften studieren. Warum hast du dich für diese Fächer entschieden? Und wo würdest du am liebsten studieren?

Ich habe mich für Journalismus und Politikwissenschaft entschieden, da ich hier meine Fähigkeiten als Schriftstellerin und meine Sehnsucht, einen Unterschied in der Welt zu machen, kombinieren kann. Schon als ich klein war, las ich Bücher, Artikel und Nachrichten, die mich dazu bewogen haben, leidenschaftlich zu schreiben und meine (kühnen) Meinungen und Vorstellungen auszusprechen. Seitdem ich 13 bin, schreibe ich gern. Ich habe bisher rund sieben Tagebücher gefüllt. Als Mitglied des Debattierclubs „Model United Nations“ (MUN) an meiner Schule habe ich außerdem Führungs- und Kommunikationsfähigkeiten entwickelt. Dank dieses Clubs war ich mir globaler Probleme bewusst und konnte kreative Ideen und Lösungen für diese Schwierigkeiten entwickeln. Ich widmete mich auch anderen Aktivitäten, aber vor allem diese beiden führten mich dazu, zu wissen, dass ich einen Einfluss auf die Welt haben wollte. Und diesen will ich durch Journalismus und Politik erlangen. Ich möchte hier in Köln studieren, da Köln eine beliebte Medienstadt ist und viele anerkannte Sender beherbergt. Außerdem ist der UN-Campus in Bonn auch nicht weit. It’s just the best of both worlds.

Gibt es noch etwas, dass du den Menschen, die deinen Artikel lesen, mitteilen möchtest?

Ich begann zu schreiben, weil ich den Traum habe, etwas auf der Welt zu bewirken. Diesem Traum zu folgen, ist jedoch nicht immer einfach. Viele von uns sind alleine nach Deutschland gekommen und sind viele Kilometer von unseren Familien entfernt. Das ist eine große Herausforderung, insbesondere in einem Land, in dem die Kultur und die Sprache völlig anders sind. Wenn ihr also in Deutschland seid, weil ihr einen Traum und den Ehrgeiz habt, gratuliere ich euch. Das Leben ist manchmal schwierig, aber es wird sich lohnen. Wir alle haben Ergebnisse erzielt, die wir nie für möglich gehalten hätten. So keep going.

 

Liz, vielen Dank, dass du dir Zeit für deine Antworten genommen hast, und herzlichen Glückwunsch zu deiner ersten Veröffentlichung.

Und wer nun neugierig geworden ist, etwas über den Alltag zu Zeiten von Corona außerhalb Deutschlands zu lesen, folge bitte diesem Link:

https://www.firstlife.de/covid-19-international-perspectives-amidst-the-crisis/

 

 

(Sarah Kleine-Katthöfer)