38 Jahre Comenius-Kolleg haben geprägt

Ein bisschen Wehmut begleite sie schon beim Abschied vom Mettinger Comenius-Kolleg. Das räumt Susanne Böttcher unumwunden ein. Nach 38 Jahren geht die Lehrerin für Deutsch und Biologie in den Ruhestand. Nachfolger als Stellvertreter von Schulleiter Thorsten Bahlmann wird Jörg Kamp.

Susanne Böttcher kam 1982 an das Weiterbildungskolleg. Zunächst nur für ein paar Stunden. Pater Osmar, der damals das Kolleg leitete, habe ihr dazu die Möglichkeit gegeben. Kurz darauf wurde sie Beratungslehrerin. Im Jahr 2000 übernahm sie schließlich die stellvertretende Schulleitung.

Die besondere Atmosphäre, die Internationalität der Schule, an der auch Studierende aus dem Ausland ihre Hochschulreife für Deutschland erlangen können, habe sie sofort fasziniert, erzählt die 63-Jährige. Vor allem das Angebot, Menschen das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg zu ermöglichen, habe es ihr angetan.

„Ich habe viele Menschen erlebt, die durch das Comenius-Kolleg eine Wende in ihrem Leben erfahren haben“, erzählt Böttcher. Und es sei immer wieder spannend gewesen, mitzuerleben, wie sich für diese Menschen neue Horizonte eröffnet haben. Darunter ehemalige Studierende, die die Kontakte des Schulträgers des Franziskanerordens von der nordbrasilianischen Provinz nutzten, und Südamerika kennenlernten.

Das Comenius-Kolleg, das seit 2018 von der Deutsch-Brasilianischen Studienstiftung St. Antonius getragen wird, habe aber auch sie selbst zu einem politischen Menschen gemacht, berichtet Susanne Böttcher. Die vielen Eine-Welt-Projekte und die Vorträge unter anderem über die Rolle der Gewerkschaften hätten ihr die Augen für die politische Situation insbesondere in Südamerika geöffnet. „Ich habe dadurch auch sehr viel über die Gesellschaften dort erfahren“, sagt sie. Das habe bei ihr und ihrer Familie zu einer gewissen Weltoffenheit geführt. Hinzu kam, dass Pater Osmar den Lehrern viel Freiraum für die Unterrichtsgestaltung gelassen habe. Mit seiner visionären Art habe der Franziskanerpater zudem großen Eindruck bei ihr hinterlassen. Sein Wirken habe sie immer motiviert. Dadurch habe sie letztlich auch an innerer Haltung gewonnen. Zudem habe sie durch die Franziskanerpater den Klerus noch einmal ganz neu kennengelernt.

Wenn Böttcher, die gebürtig aus Heilbronn stammt und in Ibbenbüren lebt, heute auf ihre Laufbahn am Comenius-Kolleg zurückblickt, sagt sie: „Ich habe der Schule viel gegeben und dafür viel wiederbekommen. Deshalb kann ich sehr zufrieden gehen.“ Sie werde die Kollegen und den guten Teamgeist um Schulleiter Thorsten Bahlmann dennoch sehr vermissen, sagt Susanne Böttcher. Und natürlich die Studierenden. Aufgrund einer Erkrankung an Multiple Sklerose (MS) geht die Lehrerin vorzeitig in den Ruhestand. „Ich hätte meinen Nachfolger Jörg Kamp gerne intensiver eingearbeitet“, bedauert sie. Das habe die Coronakrise verhindert. Böttcher ist aber sicher, dass Thorsten Bahlmann und Jörg Kamp das Comenius-Kolleg weiterhin auf einem guten Kurs halten und weiterentwickeln.

Für die Zukunft hat sie sich vorgenommen, Sprachen zu lernen. „Zurzeit ist es Spanisch“, sagt sie. Und sie werde das Comenius-Kolleg das sie sehr geprägt habe, sicherlich das eine oder andere Mal besuchen.

 

IVZ-Oliver Langemeyer 03.08.2020