Studierende und Lehrende vertraten unser Kolleg in Bonn


Begleitet wurden die Studierenden von Gerborg Meister und Bernd Lobgesang, der die Kongressteilnehmer zunächst in die von ihm und zwei anderen Kollegen des Comenius-Kollegs konzipierte Ausstellung „Ökologische Garnelen – eine Alternative für brasilianische Kleinfischer?“ einführte. Besonders Vertreter einiger afrikanischer Länder fragten genauer nach, inwiefern die Ausweitung der Garnelenzucht ökologische Folgen habe. Kritisch hinterfragt wurden auch die Absatzmöglichkeiten von ökologischen Garnelen, da sie nach Auskunft von Gerborg Meister in deutschen Ökoläden für 12 Euro pro 250 Gramm verkauft werden. Lobgesang wies auf den Nischencharakter der ökologischen Garnelenproduktion in Brasilien hin: Die Regierung des Landes fördere massiv den Export landwirtschaftlicher Güter nach Europa und Nordamerika, bevorzuge dabei die konventionellen Produktionsmethoden und erlaube sogar den Anbau genmanipulierter Pflanzen.

Neben der Präsentation der eigenen Ausstellung war es wichtig, andere Projekte kennen zu lernen.


Frau Akpezi Ogbuigew aus Nigeria wies bei der Darstellung des Verlaufs der Weltkonferenz darauf hin, dass viele kleine Handabdrücke einen großen Handabdruck erzeugen können. Daher fordert die Konferenz in ihrer Bonner Erklärung, dass weltweit das Thema „Nachhaltige Entwicklung“ in den Lehrplänen der Schulen und Universitäten enthalten sein muss. Es müsse eine weltweite Gerechtigkeit geschaffen werden, so die Forderung von Kartikya Sarabhain, einem indischen Vertreter, denn wenn alle Menschen dieser Erde lebten wie die Deutschen, bräuchten wir drei bis fünf Erden. Da das nicht möglich sei, müssten dringend Veränderungen einsetzen. So könnten seiner Ansicht nach Länder des Südens nicht einfach die Lebensweise der Industrieländer kopieren, sondern müssten eigene Wege entwickeln. Indien hat daher mit seinem neuen Kleinwagen neue Denkmodelle angestoßen.
Dass die Auseinandersetzung mit ökologischen Fragen dringend notwendig ist, verdrängen die Menschen in fast allen Ländern dieser Erde, da die Auswirkungen nur schleichend sichtbar werden. Herr Kartikya Sarabhain schlug daher vor, sich mögliche Ereignisse der nächsten 50 Jahre im Zeitrafferverfahren sich in einer Minute zu verdeutlichen Die Katastrophe würde erschreckend deutlich.
Es wird höchste Zeit anzufangen etwas zu verändern. Es sind noch 2000 Tage bis zur nächsten UNESCO Weltkonferenz zur nachhaltigen Entwicklung, die in Japan stattfinden wird. Es wird wichtig sein, in dieser Zeit viele ökologische Handabdrücke zu erzeugen. Vielleicht bevorzugen nach dieser Konferenz bereits mehr Menschen die ökologisch produzierten Garnelen. Auf jeden Fall waren Nadine Möller und Jascha Küper nach Abschluss ihrer Flowerpower-Präsentation, die sie auf Englisch vortragen mussten, fest davon überzeugt, einen spannenden Tag in Bonn verlebt zu haben. „Am besten lernt man durch die Praxis“, meinten beide übereinstimmend.
Text: Gerborg Meister; Fotos: Karla Helms-Pallas (2), Gerborg Meister (1)