„Borstenvieh und Schweinespeck“

Gerade als wir den neuen Stall mit 1.000 Schweinen besichtigten, wurden Ferkel angeliefert, die von einem Mettinger Aufzuchtbetrieb stammten. Der Bauer erklärte uns, dass es wichtig sei, Tiere aus einem Bestand zu erhalten, um Krankheiten zu vermeiden. Wir selbst durften den Stall nur betreten, weil wir nicht von einem anderen Bauernhof kamen. Uns fiel auf, dass die Ferkel nicht die erwarteten Ringelschwänze hatten, und wir erfuhren, dass diese wenige Tage nach der Geburt gekappt worden sind, ebenso wie die Eckzähne, damit nicht aus einem Spiel damit Verletzungen resultierten. Nach Auskunft des Landwirtes ist die Schweinemast heute ein sehr schweres Geschäft, da der Preis eines schlachtreifen Schweins bei 1,40 Euro je Kilo liegt, in Anbetracht der Kosten und der Arbeit müsste er allerdings bei 1,60 Euro liegen. 

Junior Robert Möhlmann erklärt die Fütterungszentrale.

Unsere letzte Station war die Fütterungsanlage, die mit modernster Technologie ausgestattet ist. Automatisch, d.h. durch einen Computer gesteuert, wird dafür gesorgt, dass die Schweine je nach Alter und Gewicht die passende Nahrung erhalten. Auch teilt der Rechner den Füllstand der verschiedenen Futtermittelsilos mit, damit rechtzeitig neue Futtermittel geordert werden können. Gefüttert wird mit flüssiger Nahrung. Die frisch gelieferten Ferkel mussten sich allerdings erst ein wenig daran gewöhnen, einige verwechselten den Trog mit einem Spielplatz. Dabei hatten sie in ihrem Stall, in dem ca. 120 Tiere waren, Ketten und einen Ball zum Spielen. Viele weitere Themen wurden angesprochen, die Zukunft des Hofes, die Arbeitsbelastung – 60 bis 80 Stunden je Woche bei dem Sohn! – , die Bedeutung des Ackerbaus für den Hof, die Ausbringung der Gülle, für die der Hof ca. 140 Hektar benötigt.
Es war beeindruckend zu sehen, mit wie viel Technik solch ein Betrieb funktioniert, wie schwierig andererseits es ist, mit zwei Familien davon zu leben. Und einige von uns hatten größere Probleme mit ihren Nasen, denn obwohl die Ställe sehr, sehr sauber waren, war für sie der Geruch kaum auszuhalten. Ob das wohl bei einem leckeren Schnitzel genauso ist? 

In der Teutoburger Ölmühle.

Kurz danach besichtigten wir die Teutoburger Ölmühle in Ibbenbüren. Obwohl das Unternehmen erst vor fünf Jahren mit der Produktion begann, hat es sich aufgrund seines Produktes, kaltgepressten Raps-Kernöls, und des Produktionsverfahrens einen Namen gemacht und viele Auszeichnungen erhalten. Dr. Schein, einer der Geschäftsführer und verantwortlich für die Produktion, erklärte uns, dass die Ölmühle aus einem universitären Forschungsvorhaben entstanden ist, dessen Ergebnisse patentiert sind und dem Verfahren zugrunde liegen.
Zunächst erläuterte uns Dr. Schein anschaulich und kompetent das Besondere der Ölmühle. Aufgrund der Idee, den Raps zu schälen, bevor er gepresst ist, ist man dazu gekommen, wirklich kaltgepresstes Rapsöl herzustellen. So wird also nach der Trocknung die Rapssaat zunächst geschält und dann nur die Kernfraktion für das spätere Speiseöl gepresst. Allein schon die Entfernung der Schalen sorgt aufgrund der verringerten Reibung für geringere Temperaturen. Die Schalen werden gesondert gepresst und das dabei entstandene Öl wird zum Betrieb eines Motors verwendet, der die gesamte in der Ölmühle benötigte Energie herstellt. Überschüssige Energie kann sogar in das Stromnetz eingespeist werden. Das Öl aus der sogenannten zweiten Pressung der Kernfraktion, die bei höheren Temperaturen durchgeführt wird, um mehr Restöle zu lösen, wird als Futteröl, Schmieröl oder Treibstoff verwendet. So betreibt die Ölmühle eine eigene Tankstelle, bei der für 73 Cent getankt werden konnte. Alle weiteren Produktionsrückstände werden vor allem als Futtermittel verkauft. 
Im Anschluss zeigte uns Herr Schein die Produktionsanlagen. Das waren eben schon 2, denn die erst 2002 in Betrieb genommene Anlage war der Nachfrage schon nach kurzer Zeit nicht mehr gewachsen. Während zu Beginn ca. 10 Tonnen Raps pro Tag verarbeitet wurden, sind es heute schon 100. Herr Schein schilderte, dass er sich im Jahr 2002 bei Produktionsbeginn nicht vorstellen konnte, wer das viele Öl konsumieren sollte.
Es war sehr interessant, durch die mehrere Stockwerke hohe Fabrik zu klettern und den Weg des Rapses zu verfolgen. So konnten wir z.B. die Reinigungsrückstände betrachten, in die Pressen hineinsehen und das Öl vor der Filterung betrachten, das später in den Flaschen so goldgelb wirkt. Zum Vergleich zeigte uns Herr Schein Rapsöl, das nach der Pressung raffiniert worden ist, das ganz farblos wirkte. Für die Qualität des Rapsöls ist wiederum die Qualität des Rohstoffes, des Rapses, ganz wichtig. So kommt z.B. im neuerbauten Saatlager der gelieferte Bio-Raps zunächst in „Quarantäne-Boxen“ und wird im Labor untersucht, bevor er endgültig eingelagert wird. Ebenso hat die Teutoburger Ölmühle Verträge mit Landwirten, die diesen einen höheren Preis zusichern, aber gleichzeitig Auflagen für den Anbau machen.
Die Studierenden des Kollegs waren sichtlich beeindruckt von dieser Erfolgsgeschichte. Dazu trug sicher auch bei, dass sich bei der Vorstellung herausstellte, dass Dr. Schein auch einmal, wie viele von ihnen, als Auszubildender seine berufliche Laufbahn begonnen hatte, bevor er an einem Abendgymnasium das Abitur nachgeholt und später Verfahrenstechnik studiert hatte. 
Fotos: Hof Möhlmann (4): Waldemar Roller, Ölmühle: Victoria Savtchouk; Text: Gunther Biesewig