„Wasser ist Gottes Gabe und keine Ware“

Agape-Feier am 21.März 2013

 Wer an diesem Tag die Aula des Comenius-Kollegs betritt, stößt auf zwei Möglichkeiten, seinen Durst zu löschen, Wasserkrüge mit Leitungswasser und Mineralwasserflaschen eines großen Unternehmens. An den Tischen sind die folgenden Aufschriften angebracht:

                                    

Diese Flaschen wie auch das nachfolgende „Wasser-Quiz“ führen zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit dem Thema Wassernutzung und Wasserverschwendung. Eine Aussage des Vorstandsvorsitzenden eines Schweizer Lebensmittelkonzerns, zeigt die Brisanz: „ Die Knappheit des Öls ist ein großes Problem, aber Energie lässt sich ersetzen. Wasser aber kann niemals ersetzt werden. Darum beobachten wir auch, dass es in vielen Städten der Erde Versuche gibt, mit dem Wasser Profite zu machen, die ganz eindeutig zu Lasten der Armen gehen.“ Daher sollen in der Feier die folgenden Fragen thematisiert werden:

Wem gehört das Wasser? Wer bestimmt die Preise? Welche Folgen hat die Liberalisierung des Wassermarktes?

 

Ein Studierender aus Südafrika schildert ein Beispiel aus seiner Heimat:

Nicht weit von Pretoria liegt die Quelle von Doornkloof. Seit 2012 wird sie wirtschaftlich von einem Unternehmen genutzt. 280.000 Liter Trinkwasser werden täglich in Flaschen abgefüllt und abtransportiert. Der unterirdische Wasser-Schatz bekommt abgepackt einen wohl klingenden Namen.  Nicht weit entfernt von der Fabrik gibt es eine Siedlung – eher einen Slum. Die Menschen dort leben inmitten von Müll, Ratten, Toiletten ohne Wasseranschluss und ohne fließendes Trinkwasser. Das Land, auf dem sie leben, gehört den Bewohnern nicht. Ihre Familien, rund 3.000 Menschen, werden dort seit dreißig Jahren geduldet.

Viele sind arbeitslos. Zwar haben einige Männer einen Job beim Wasserproduzenten, nur ausreichend frisches, sauberes Wasser für sich und ihre Familien haben sie nicht. Lediglich einen Liter bekommen sie in der Fabrik jeden Tag gratis, wie einer der Siedlungsbewohner berichtet. Wasser aus dem Laden ist für die Menschen dort unbezahlbar – ein Liter kostet umgerechnet einen Euro. Dabei ist es das gleiche Wasser, das nur ein paar hundert Meter entfernt aus dem Boden kommt. Der Vertrag läuft über zwanzig Jahre. Mindestens so lange darf dort exklusiv das Wasservorkommen ausgebeutet werden: 103 Millionen Liter im Jahr. Als Ausgleich für die Wasserentnahme zahlt die Firma 200.000 Dollar pro Jahr. In Flaschen abgefüllt hat das Wasser dagegen einen Wert von 185 Millionen Dollar.

Abschließend fragt der Studienkollegiat: Wie kann es sein, dass Menschen nur 400 Meter entfernt von einer Quelle leben und selbst von Wasser abgeschnitten sind?

 

Ein Studierender aus Brasilien berichtet aus seiner Heimat:

In der Stadt São Lourenço, im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais hat das Unternehmen einen Wasserpark gekauft. Nach der Übernahme hat die Firma das Fördervolumen extrem erhöht. Man wollte dort große Mengen von dem Mineralwasser herstellen. Das Unternehmen errichtete eine riesige Abfüllfabrik und hat das Wasser dort entmineralisiert, denn es sollte überall gleich schmecken. Da passte es nicht gut, dass in São Lourenço das Wasser sehr mineralhaltig ist. Das exzessive Abpumpen führte dazu, dass der Grundwasserspiegel sank. Teile des Oberflächenwassers drangen in tiefere Schichten ein und so sind einige der Quellen des Wasserparks kontaminiert,unter anderem auch mit Fäkalien. Die Anwohner von São Lourenço haben einen Prozess gegen das Unternehmen geführt. Sie haben ihn gewonnen, da der Bau der Fabrik ohne Genehmigung erfolgt war. Die Firma hat deshalb einem Vergleich zugestimmt und sich verpflichtet, die Produktion des Mineralwassers dort einzustellen. Die Bewohner von São Lourenço feiern das heute als großen Erfolg.

Abschließend meint der Studierende: Widerstand lohnt sich!

 

Ein Studierender aus Nigeria berichtet:

Ich komme aus Nigeria, wo bei uns auf dem Lande das Wasser absolute Mangelware ist. Die Menschen müssen weite Wege zurücklegen, um aus der nächstgrößeren Stadt Wasser zu holen. Eine mühsame Arbeit und noch immer eine Frauen- und Kinderarbeit. Aber seit einiger Zeit gibt es eine richtig gute Kampagne: Viele Menschen in meinem Dorf haben Gelder gesammelt für den Bau einer Wasser-Zisterne, also für einen Speicher von Regenwasser. Eine wirklich gute Sache;  das bedeutet keine weiten Wege mehr und jederzeit ausreichend Wasservorräte zu fairen Preisen!

Abschließend drückt der Studierende seine Hoffnung aus, dass mit Unterstützung von Hilfsorganisationen in seinem Land mehr Brunnen und Zisternen gebaut werden, die das Leben – vor allem der armen Menschen – dann lebenswerter machen.

 

Ein nachfolgendes Gespräch beschäftigt sich mit Aussagen der Bibel zum Umgang mit Wasser. Wasser ist die Voraussetzung für das Leben; das macht bereits die erste Geschichte der Bibel deutlich, als Gott die Wasser des Himmels von den Wassern der Erde scheidet und unterhalb des Himmels die Wasser noch einmal an besondere Orte sich sammeln lässt, damit mit der Erde Lebensraum für den Menschen entsteht.

So sehr Wasser Voraussetzung für das Leben ist, ist es auch eine Gefahr für alles Leben, wie die bekannte Sintflutgeschichte zeigt.

Neben dem Leben ermöglichenden Wasser und Leben gefährdenden Wasser gibt es eine interessante Konfliktgeschichte um das Wasser; sie steht in Gen 26, wo es heißt: „Isaak ließ die Wasserbrunnen wieder aufgraben, die sie zur Zeit seines Vaters Abraham gegraben hatten und die die Philister verstopft hatten nach Abrahams Tod (…) Auch gruben Isaaks Knechte im Grunde und fanden dort eine Quelle lebendigen Wassers. Aber die Hirten von Gerar zankten mit den Hirten Isaaks und sprachen: Das Wasser ist unser! Da nannte er den Brunnen Zank, weil sie mit ihm da gezankt hatten. Da gruben sie einen andern Brunnen. Darüber stritten sie auch, darum nannte er ihn „Streit“. Da zog er weiter und grub noch einen anderen Brunnen. Darüber zankten sie sich nicht; darum nannte er ihn „weiter Raum“ und sprach: Nun hat uns der Herr Raum gemacht und wir können wachsen im Lande.“ (Gen 26,18-22)

Der Text zeigt: Konflikte um Wasser sind uralt und sie gefährden den Frieden. Erst wenn der Streit um Wasser beigelegt ist, ist Leben und Wachstum im Land möglich. – Aus dieser biblischen Episode ist politisch der Schluss zu ziehen, dass der Zugang und die Zuteilung von Wasser nicht privatisiert werden darf (Das Wasser ist unser!), sondern in gleicher Weise allen zugänglich sein und gerecht verteilt werden muss, damit in jedem Land dieser Erde die Voraussetzungen für Leben und Wachstum gegeben sind und Flüchtlingsströme aufgrund von Wassermangel erst gar nicht entstehen. Biblisch gesehen ist der „weite Raum“, der durch genügend Wasser entsteht und so zum Lebensraum und Friedensraum wird, ein Geschenk Gottes.

 

Die Feier endet mit dem folgenden gemeinsamen Gebet:

 

Unser tägliches Wasser gib uns heute!

… und auch morgen und übermorgen,

nicht nur denen, die an der Quelle sitzen,

nicht nur denen, die die Wasserrechnung bezahlen können,

nicht nur denen, die wissen, wo die Vorräte liegen,

nicht nur denen, die Ressourcen steuern können,

auch denen, die auf dem Trockenen sitzen,

auch denen, denen man den Hahn zugedreht hat,

auch denen, denen die Zunge am Gaumen klebt,

denen Brot und Wasser mangelt,

die weder Sekt noch Selters kennen,

auch denen, die Kilometer laufen müssen

für einen Eimer Wasser,

Im Buch der Offenbarung heißt es dazu:

„Wen dürstet, der komme; und wer will,

der nehme Wasser des Lebens umsonst.“ (Offb. 22,1)