100. Geburtstag Pater Serafin

 

Pater Serafin steht am Telefon im großen Flur des Mettinger Franziskaner-Konvents. In fließendem Portugiesisch beantwortet er die guten Wünsche aus Brasilien. Am heutigen Mittwoch wird Serafin, der mit bürgerlichem Namen Josef Prein heißt, noch viele Gratulationen entgegennehmen. Der Franziskanerpater wird 100 Jahre alt.

Während seiner langen Zeit als Missionar im Nordosten Brasiliens hat Pater Serafin in viele Abgründe geschaut. Er musste verhungerte Kinder beerdigen, kümmerte sich um die Aussätzigen in den Favelas, den Elendsvierteln der Städte. „Natürlich sind mir Zweifel gekommen. Ich habe Gott danach gefragt, wie er so etwas zulassen kann“, sagt der Geistliche. Gleichzeitig habe ihn dieser Zweifel letztlich immer wieder im Glauben gestärkt: stets aufs Neue sich auf Gottes Willen einzulassen und ihm zu vertrauen.

Außerdem ist Pater Serafin dort vielen Menschen begegnet, die ihn tief beeindruckt haben. Spontan fällt ihm der Zahnarzt ein, der umsonst die Zähne der Armen behandelt hat. „Da habe ich mich gefragt, ob ich so viel Opferbereitschaft gehabt hätte“, gibt er ehrlich zu. Sehr berührt hat den heute 100-jährigen Priester, wie die Ärmsten der Armen ihr Schicksal getragen haben. Auch sie haben auf Gott vertraut. Das habe auch ihm selbst wieder geholfen, Gott und die Menschen neu zu entdecken.

Die Zeit in Südamerika hat den Pater sehr geprägt. Er habe stets versucht, sich an die Grundhaltung des heiligen Franziskus zu halten. Das Evangelium zu leben, nicht nur zu hören. Es sei schon schwierig, diese Haltung in der heutigen Zeit jungen Menschen zu vermitteln, räumt der Geistliche ein. Er warne allerdings davor, Menschen, die nicht glauben, zu verurteilen. Das sei unklug, gerade für einen Christen. „Wir versuchen, im Religionsunterricht im Kolleg die Menschen wenigstens zu interessieren“, erzählt der gebürtige Metelener. Manchmal mit Erfolg.

Pater Serafin macht kein Hehl daraus, dass er damals gerne in Brasilien geblieben wäre. „Was soll ich in Deutschland“, habe er gefragt, als er 1967 dorthin berufen wurde. In Mettingen ist der Franziskaner-Pater aber schnell heimisch geworden. In der Gemeinde leben viele Menschen, die bereit sind, sich inspirieren lassen, hat er festgestellt.

In jüngeren Jahren ist er viel Fahrrad gefahren. „Ich habe gesund gelebt, nicht geraucht und nur mäßig Alkohol getrunken“, verrät Pater Serafin mit einem Schmunzeln. Das innere Vertrauen auf Gott habe ihm aber sicherlich auch geholfen, so alt zu werden.

In jüngster Zeit hat sich der Franziskanermönch etwas zurückgezogen. Er wolle noch tiefer in die Verbundenheit mit Gott hineinwachsen. Und dafür suche er verstärkt die Stille. Pater Serafin lebt zusammen mit Pater Osmar und Pater Donatus im Mettinger Konvent. Aktiv ist der 100-Jährige aber immer noch. Er engagiert sich für die Aids-Hilfe in Osnabrück, feiert täglich die Messe in der Krankenhaus-Kapelle und ist als Seelsorger im St.-Elisabeth-Hospital im Einsatz.

Zu seinem 100. Geburtstag hat der Franziskaner-Orden in Brasilien den Vizeprovinzial Beto und den Definitor Gilmar zum Gratulieren nach Mettingen entsandt. Außerdem ist für heute ein Empfang im Konvent an der Sunderstraße geplant. Dort werden neben Bürgermeister Helmut Kellinghaus viele Gäste erwartet. Pater Serafins Mitbrüder haben ebenfalls etwas vorbereitet. Und sicherlich werden weitere Glückwunsch-Anrufe aus Brasilien kommen.

Quelle: IVZ, Oliver Langemeyer vom 30.1.2013

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