Lehrst du noch oder lernst du schon?
Als junger Lehrer, der gerade das Referendariat beendet hat, ist man der Meinung, dass man in die Welt hinaus geht und die Schüler von dem geballten Wissen lernen, das man während seiner Ausbildung angehäuft hat. Der Wissensstrom läuft dabei ausschließlich in die Richtung der Schüler. Deckel auf – Input rein – Deckel zu. In manchen Schulen kann dies Alltagspraxis sein.
Anders im Comenius-Kolleg. Lernen von den Lernern heißt hier die Devise, denn das Lernen am Comenius-Kolleg erfolgt im Dialog – ganz in der franziskanischen Tradition, denn die nordostbrasilianische Franziskanerprovinz ist Träger des Kollegs.

Hier kommen Menschen zusammen, die im Besitz einer abgeschlossenen Berufsausbildung sind, die über Lebenserfahrung verfügen, die mit beiden Beinen im Leben stehen und die ein konkretes Ziel vor Augen haben. Dies gilt für beide Seiten gleichermaßen – sowohl den Lehrer als auch den Studierenden, so nennen wir unsere erwachsenen Schüler am Kolleg. Und hier liegt die Stärke dieser Institution. Lehrer und Studierende können voneinander profitieren. Man lernt voneinander und miteinander.

 Die Praxiserfahrung der Lernenden spielt dabei eine entscheidende Rolle bei der Vermittlung theoretischer Inhalte und der praktischen Umsetzung. Wir denken an die alleinerziehende Mutter zweier Kinder, die im Soziologieunterricht auf die Schwierigkeiten des Sozialsystems in Deutschland aufmerksam macht. Wir denken aber auch an den brasilianischen Studenten, der am Comenius-Kolleg die Anerkennung seines brasilianischen Abiturs erlangen möchte und seine Mitschüler auf die beklagenswerten Zustände in den Armenvierteln (Favelas) seiner Heimatstadt hinweist. Denn auch das ist das Comenius- Kolleg. Ein Ort, an dem ausländische und inländische Menschen einander begegnen, sich austauschen und einen höheren Bildungsabschluss, wie die Fachhochschulreife und das Abitur erwerben können. Ausländische Schüler aus aller Welt kommen an die Schule, was für einen stetigen kulturellen Austausch und das Reflektieren des gemeinsamen Umgangs sorgt.

 Viele der Inländer sind oft überrascht, wie unterschiedlich Verhaltensweisen und Gestiken des Alltags wahrgenommen werden können. Wer weiß schon, dass unsere häufig verwendete Handbewegung, bei der wir Daumen und Zeigefinger zu einem Kreis schließen und mit der wir „okay“ signalisieren wollen in anderen Ländern eine üble Beschimpfung sein kann? Wer weiß, dass ein Kopfschütteln in Indien nicht Nein sondern Ja bedeutet? Durch die Begegnungen am Comenius-Kolleg nimmt man aber nicht nur sprachliche Ausdrucksformen mit nach Hause, sondern auch kulinarische Anregungen in Form von regionalen und exotischen Köstlichkeiten, die beispielsweise an Projekttagen, zu religiösen Anlässen oder zu offenen Schulveranstaltungen durch die Kollegiaten hergestellt werden. Es wird klar: Das Comenius-Kolleg ist weit mehr als ein Ort des Lehrens. Es ist ein Ort des Teilens und des miteinander Lernens.

 

Bewerbungen sind jederzeit möglich!

 

Quelle: MM-Marktplatz Mettingen – Nr. 30, Februar 2015

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